Love Scams – gefährliche Liebschaften im Internet
Shownotes
Wahre Liebe – oder doch nur raffiniertes Love Scamming? Das üble Geschäft mit der Liebe boomt: Immer öfter fallen gutgläubige Menschen via Social Media, Dating-Plattformen & Co. auf unmoralische Angebote herein – und verlieren dabei Geld, Nerven und Vertrauen in sich selbst und die Welt. Sabine und Christian nehmen in dieser Podcast-Episode die fiesen Tricks von Internet-Liebesbetrüger*innen präzise unter die Lupe. Wenn Liebe teuer wird: So gehen Sie Love Scammern nicht auf den Leim – hören Sie rein!
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Christian Kräutler: Servus Sabine, über wen musst du dich denn eigentlich so ärgern?
Sabine Kaulich: Hallo Christian. Du ja, über so einen windigen Internet-Unterweltler, um ein Haar hätte er einer Freundin von mir wirklich eine gescheite Summe abgeluchst.
Christian Kräutler: Boah, das klingt aber echt abenteuerlich.
Sabine Kaulich: Du, das war's auch. Aber wie heißt es so schön? Ende gut, alles gut. Meine Freundin, na nennen wir sie Beate.
Christian Kräutler: Ah, Beate erinnert mich so ein bisschen an meinen Lateinunterricht in der Schule. Du, weißt eh, Beate heißt eigentlich die Glückliche, ich hoffe, sie ist auch glücklich.
Sabine Kaulich: Jaja, jetzt wieder. Glück hat sie gehabt. Noch sieht sie es nicht so und grämt sich halt leider.
Christian Kräutler: Jetzt bin ich aber echt neugierig geworden. Komm Sabine, erzähl schon!
Sabine Kaulich: Love-Scamming haben Sie schon einmal davon gehört? Love-Scammer, das sind Betrüger und Betrügerinnen, die im weltweiten Netz ein gewissenloses Geschäft mit der Liebe betreiben. Ihr einziges Ziel besteht darin, hoffnungsvolle und vertrauensvolle Menschen finanziell auszubeuten, unter Vorspielung falscher Tatsachen. Wie dieser moderne Heiratsschwindel im Internet funktioniert, das erfahren Sie in unserer heutigen Podcastsendung zum Thema Love-Scamming. Mein Name ist Sabine Kaulich, herzlich willkommen.
Christian Kräutler: Ja, gerade vor Weihnachten ist die Versuchung natürlich groß, einer Internetliebe mit einer Geldsumme oder mit sonstigen Geschenken Gutes zu tun. Die Frage dabei ist aber, gehe ich mit meiner Gutgläubigkeit, einem klassischen Betrug auf den Leim? Ist es vielleicht zu schön, um wahr zu sein, was ich da gerade erlebe? Eines kann man sagen, betroffen sind jedenfalls sehr, sehr viele Menschen vom Love-Scamming. Jede fünfte Person in Österreich war schon einmal Ziel eines Love-Scams. Dabei kann falsche Online-Liebe ja ganz schön teuer werden. Woran man diese gefährlichen Liebschaften erkennt und wie man sie schon im Keim ersticken kann, erfahren Sie heute bei uns. Mein Name ist Christian Kräutler.
Catharina Ballan: Sicher ist sicher, der Vordenker*innenpodcast des KFV. Episode 9: Love-Scams, gefährliche Liebschaften im Internet.
Christian Kräutler: Also, Sabine, komm, erzähl jetzt. Wie war das mit der Beate?
Sabine Kaulich: Na gut, ich erzähl dir kurz die Geschichte. Also, meine Freundin, die ist Single und auf der Suche nach dem Mr. Right. Ja, und vor einigen Monaten hat sie dann eine Online-Bekanntschaft mit einem Mann gemacht und das hat sich anfänglich wirklich super angehört. Sie war total happy. Und ich habe mich voll für sie gefreut, weit weg hat er halt gewohnt, ein Franzose, aber für sie hat's gepasst, sie hat stets das Gefühl gehabt, dass er da war, wenn sie allein war. So morgens, abends, immer wenn sie reden wollte. Verständnisvoll war er und ich sag's dir, ganz viele Komplimente hat er gemacht. Sehr viele Komplimente. Aber alles online wohlgemerkt.
Christian Kräutler: Du Sabine, das hat einen eigenen Namen. Weißt du eigentlich, wie man das nennt? Das nennt man nämlich Lovebombing.
Sabine Kaulich: Ja, das passt. Das passt wirklich gut. Sie hat mir davon erzählt und ja, irgendwann ist mir das aber wirklich komisch vorgekommen. Ich sag dir, Liebesschwüre, Komplimente, Gedichte, schöne Fotos, Bussis, Emojis, ohne Ende. Die Beate hat schon von ihm geredet, als ob es ihr Partner wäre. Und stell dir vor, ohne dass ich ihn jemals gesehen hätte.
Christian Kräutler: Das ist echt nicht schlecht. Das klingt ja wirklich nach der großen Liebe.
Sabine Kaulich: Ja, zu schön, um wahr zu sein gel? Stell dir vor, dieser virtuelle Verehrer hat meine Freundin voll erwischt. Er, der einsame Witwer, der gerne endlich wieder eine Frau an seiner Seite hätte. Ganz schöne Fotos hat er geschickt von sich, seinen Kindern, seinem Hund, seinem Haus. Ja.
Christian Kräutler: Du, wenn ich mir das so anhöre, da könnte man ja wirklich schwach werden. Wie ist das dann weitergegangen?
Sabine Kaulich: Du, das ist ein paar Monate gelaufen. Er hat gesagt, er möchte seine Kinder nicht mit einer neuen Beziehung überrumpeln. Ja, und dann haben sie ein Treffen vereinbart. Sie wollten gemeinsam den Geburtstag von der Beate feiern. Alles war organisiert. Tja und dann, drei Tage vor dem Termin, da wird ein Opfer eines Diebstahls. Stell dir vor, seine Bankomatkarte ist jetzt gesperrt, ja und damit er doch noch kommen kann, wollte er sich von der Beate 1000 Euro für die Fahrtkosten ausborgen. Sie kriegt es auch bestimmt wieder zurück, hat er gesagt.
Christian Kräutler: Das ist fast klassisch!
Sabine Kaulich: Das ist wirklich klassisch. Wir haben dann lang telefoniert mit der Beate, und sie war so verunsichert, was sie jetzt tun soll. Sie wollte ihn halt nicht im Stich lassen. Ich habe echt lange auf sie einreden müssen. Ja, Fakt ist, sie hat ihm das Geld nicht überwiesen. Sie hat ihm gesagt, dass sie nicht so viel hat. Du, und stell dir vor, von einem Tag auf den anderen hat er den Kontakt total abgebrochen. Ein Gauner, oder?
Christian Kräutler: Ja, Sabine, Irren ist aber halt leider menschlich. Und ich glaube fast jeder von uns hat so einen weichen Kern, irgendwo eine Schwachstelle oder einen Knackpunkt, an dem man manipulierbar ist und genau bei diesen menschlichen Gefühlen und Sehnsüchten setzen eben die Kriminellen an. Und dabei sind sie natürlich totale Profis.
Sabine Kaulich: Christian, was sind denn das für Sehnsüchte und Gefühle?
Christian Kräutler: Ja, es ist das, was viele von uns einfach suchen, nämlich die Sehnsucht nach Liebe, nach Zweisamkeit, nach Anerkennung oder einfach auch nach Empathie. Und ganz einfach kann natürlich auch die Hilfsbereitschaft dahinterstecken, die eine Person an den Tag legt. Ja, und deshalb ist es ja so wichtig, dass wir über dieses Thema reden. Es darf einfach kein Tabuthema sein, denn ganz viele suchen Leute auf Online-Plattformen nach ihrem Glück. Zum Thema Love-Scamming gibt es deshalb auch eine neue Pflichtlektüre aus unserer KFV-Forschungsabteilung, ge Sabine kennst du die?
Sabine Kaulich: Ja, stimmt, kenn ich. Also unsere neue KFV-Studie mit dem Titel „Wenn Liebe teuer wird, moderner Heiratsschwindel im Internet“. Wir können Sie nur wärmstens empfehlen. Diese Studie finden Sie auf der KFV-Website www.kfv.at. Ja, und wichtige Tipps und Infos liefert auch die neue Service-Webseite www.liebesbetrug.at, die sich eben voll und ganz mit der Aufklärung und der Hilfestellung zu diesem Thema widmet. So, und Einige wirklich wichtige Erkenntnisse aus dieser aktuellen KFV-Studie, über die wollen wir heute gemeinsam sprechen. Sag Christian, gibt's das eigentlich noch, das Anbandeln, so wie wir das gekannt haben, so ohne Tinder und Co.?
Christian Kräutler: Du Sabine, zu unserer Zeit, da ist man ja noch in Lokale gegangen, um wen kennenzulernen, oder die Partner haben wir über Freunde gefunden, oder vielleicht waren wir in irgendeinem Verein und haben sie so gefunden, aber heute hat das Internet für die zwischenmenschliche Kommunikation und für den Aufbau von Beziehungen ja ganz neue Möglichkeiten geöffnet. Es geht ja einfach so leicht und deshalb ist es ja auch so beliebt. Online-Dating und soziale Medien machen es ganz einfach möglich, dass Menschen aus aller Welt über das Internet in Echtzeit miteinander in Kontakt treten und da kann man natürlich potenzielle Partner überall auf der Welt finden. Laut der KFV-Studie, die wir da gemacht haben, haben bereits 40 Prozent der Befragten bereits Menschen über soziale Netzwerke kennengelernt. Und 23 Prozent, also fast jede vierte Person, hat bereits Dating-Apps genutzt. Leider wird das Internet aber auch allzu oft natürlich als Werkzeug für Täuschung und Ausbeutung genutzt. Es hat nicht nur diese positiven Aspekte. Betrüger können mühelos Fake-Profile erstellen, sie können sich in Online-Communities einhacken und auf Datenplattformen agieren und immer ist ihre Identität versteckt, ist geheim. Teilweise arbeiten sie aus anderen Ländern heraus. Wir wissen also gar nicht wirklich, wo die sind und wer es ist.
Sabine Kaulich: Ja, und Love-Scams, der Liebesbetrug im Internet, der kommt jetzt auch in Österreich mehr und mehr in Mode. Und ganz wichtig, das Muster ist immer dasselbe. Opfer und Täter lernen sich im Internet kennen. Der Täter oder die Täterin täuscht echtes Interesse vor, sehr schnell wird von Liebe und Beziehung gesprochen und dann tritt ein plötzlicher, vermeintlicher Notfall ein und der Täter oder die Täterin bittet um eine Geldsumme. Ja, und die Betrüger, die machen das äußerst geschickt, sonst wäre eben die Anzahl der Geschädigten nicht so hoch. Und Christian, du hast es schon erwähnt, jede fünfte Person in Österreich war schon einmal Ziel eines Love-Scams.
Christian Kräutler: Ja und Sabine, es ist ja gar nicht leicht, diese Personen ausfindig zu machen. Professionelle Love-Scammer wirken nämlich sehr, sehr aufrichtig, sind aber fürsorglich und glaubwürdig. Also das, was wir ohnedies sehr gerne haben und gerne hätten. Und Sabine, sie zielen bewusst auf einsame Menschen ab, die sich nach einer Beziehung sehnen oder gerade in einer schwierigen Lebensphase sind. Diese Menschen sind nämlich ein bisschen anfälliger für so romantische Versprechungen und suchen aktiv nach Kontakten. Und das Motiv dieser Heiratsschwindler, das ist immer das gleiche, möglichst rasch, möglichst viel Geld zu ergaunern. Sabine, es ist ja oft schwierig zwischen ehrlicher Liebe, und es gibt ja zum Glück häufig davon, und einem Betrug zu unterscheiden. Lass uns doch auf die von dir angesprochenen typischen Muster von Love-Scam-Abläufen zurückkommen. Wie gehen die Täter denn da eigentlich vor?
Sabine Kaulich: Also im Regelfall schaut das so aus, da gibt es eigentlich fünf Phasen, die zu erkennen sind. Und wie im richtigen Leben, da zählt einfach der erste Eindruck. Das heißt, in der Phase 1, da stellt sich der Betrüger als der Mister oder die Miss Perfect da, also in gefälschten Profilen mit meist gestohlenen Fotos stellt sich der Scammer als attraktive Person, als perfekter Partner dar. Wir Frauen sprechen da besonders auf Zugehörige des Militärs, die etwa in Krisengebieten jetzt leben oder auf Ärzte, meist verwitwet oder alleinerziehend an. Ja, und die Männer fallen meist auf die Masche mit der jungen, hilfsbedürftigen Frau herein. Der Love-Scammer oder die Love-Scammerin schreibt dann das potenzielle Opfer an und überschüttet es mit Schmeicheleien, um eben, und das ist das Wichtige, Kontrolle und Macht über diese Menschen zu erlangen.
Christian Kräutler: Ja und dann kommt die zweite Phase, so die Phase der Beziehung. Die Beziehung intensiviert sich, der Kontakt bleibt aber rein online. Natürlich gibt es dann auch wieder einmal Videotelefonate, die können durchaus erfolgen. Dabei verwenden die Täter aber Videoausschnitte aus dem Internet. Und dass das Video und das Gesprochene da nicht oft sehr, sehr gut zusammenpasst, das wird dann mit einer schlechten Übertragungsqualität erklärt. Und in dieser Phase kündigt der Täter oder die Täterin dann einen persönlichen Besuch an. Da ist natürlich die Freude am absoluten Höhepunkt.
Sabine Kaulich: Ja, und dann kommt die Phase drei. Wir nennen sie jetzt Katastrophe. Also eine Katastrophe droht den versprochenen Besuch, das langersehnte persönliche Treffen, zu verhindern. Etwa, das Militär genehmigt den Urlaub nicht, ein vermeintlicher Unfall ereignet sich, eine schwere Krankheit erfordert eine teure medizinische Therapie, geschäftliche Probleme treten auf oder, oder, oder. Die Argumente sind da mannigfaltig. Die Konsequenz bleibt immer die gleiche. Der Täter, die Täterin benötigt dringend Geld.
Christian Kräutler: Ja und die Phase 4 könnte man etwa so nennen: Gefangen in der Dauerschleife. Die so eigentlich vielversprechend begonnene Beziehung, wo alle nur happy sind, bleibt dann eigentlich stetig in Gefahr. Es gibt Krankheiten, es gibt Schulden oder Verhaftungen. Das bedroht nämlich alles dieses Liebesglück. Und stets gibt es nur eine einzige Lösung dieser ganzen Misere, nämlich die Bezahlung oft hoher Summen durch die Betroffenen.
Sabine Kaulich: Ja, und die letzte Phase, die nennen wir verbrannte Erde. Also kann oder will das Betrugsopfer dann irgendwann einfach nicht mehr zahlen, dann verschwindet dieser Scammer oder diese Scammerin wieder in den endlosen Weiten des Internets. Die Online-Profile werden gelöscht, die Handynummer führt plötzlich ins Leere. Ja, Funkstille.
Christian Kräutler: Also Sabine, man könnte schon sagen, diese Love-Scams die laufen ja meist auf eine recht ähnliche Weise ab. Aber manchmal verwenden die Täter auch die Konten der Opfer für die Geldwäsche. Geld wird da wirklich aufs Konto auch überwiesen der Opfer. Und dann werden die Opfer ersucht, eben dieses Geld auf ein anderes Konto weiter zu transportieren.
Sabine Kaulich: Ja, also da wird dann das Betrugsopfer unwissentlich, also selbst, korrupt. Dieses Muster der Love-Scam-Abläufe ist fast immer dasselbe. Nur weicht die Verpackung eben oft ab, also die Geschichte, die zu dieser vermeintlichen Geldnot führt und die Täter sind da äußerst kreativ. Wir haben eine Fülle von typischen Szenen für Sie zusammengetragen, die eben da zum Einsatz kommen und wenn Sie sich dafür interessieren, schauen Sie auf unsere KFV-Website in die Studie: „Wenn Liebe teuer wird“.
Christian Kräutler: Ja, so ein typisches Kriterium ist auf jeden Fall, dass fast immer zum Einsatz kommt, dass der vermeintliche Verehrer oder die Verehrerin nicht in der Nähe wohnen. Also so ein spontanes Treffen auf ein Getränk, das geht dann ganz einfach nicht, weil die Personen weit, weit weg sind. Aber Sabine, zu den Tricks und den Taktiken der Täter zählt ja auch die Erpressung. Es wird da emotionaler Druck angewendet, um an das Mitgefühl eigentlich der Betroffenen zu appellieren oder sie zur Zusammenarbeit zu zwingen. Love-Scammer drohen zum Beispiel damit, die Beziehung zu beenden, wenn kein Geld fließt. Sie drohen auch mit der Veröffentlichung intimer Fotos oder eben privater Nachrichten und sie fordern ihre Opfer meist auf, die Beziehung geheim zu halten und niemandem davon zu erzählen. Damit versuchen sie natürlich zu verhindern, dass sich die Personen Hilfe von anderen Menschen suchen und sie deren Rat dann letztendlich einhalten.
Sabine Kaulich: Ja, und dann wird sehr schnell aus der großen Liebe eine große Lüge. Also wenn dann der Traum von der gemeinsamen Zukunft aus heiterem Himmel wie eine Seifenblase platzt, dann tut das wirklich weh, so wie eben jetzt bei der Beate.
Christian Kräutler: Love-Scams haben oft fatale Folgen. Das können schwerwiegende emotionale Auswirkungen sein. Das geht dann von Enttäuschung über den Vertrauensverlust bis hin zu Selbstvorwürfen und Depressionen. Und Sabine, auch die finanziellen Verluste können echt beträchtlich sein. Man steht dann am Ende vor einem Schuldenberg und den Scherben seiner Existenz.
Sabine Kaulich: Ja Christian, und das Problem ist, dass Love-Scamming im Vergleich zu anderen Arten von Cybercrime weniger stark als Gefahr wahrgenommen wird. Laut der KFV-Studie sind vier von zehn Internetnutzenden bezüglich Online-Liebesbetrug kaum bis gar nicht besorgt. Und rund ein Drittel der Österreicher ist sogar ziemlich sorglos mit dem Umgang von persönlichen Daten im Netz. Dazu gehört etwa der Name, die Wohnadresse, Geburtsdatum oder beim Weiterleiten von Fotos. Und gerade diese Daten, die interessieren potenzielle Online-Bekanntschaften, also ehrliche Bekanntschaften, aber eben leider auch die Korrupten.
Christian Kräutler: Ja, da hast du sicher recht. Wir sollten uns gut überlegen, was wir von uns im Internet preisgeben. Gescheit ist es sich auf jeden Fall eine E-Mail-Adresse zuzulegen, die keine Rückschlüsse auf den richtigen Namen zulässt. Sabine, ein paar Zahlen aus unserer Studie möchte ich schon gerne ansprechen, nämlich um zu zeigen, dass die Betroffenen nicht alleine sind. Es gibt da sehr viele, die betroffen sind und dass sie sich nicht genieren müssen, dass sie zu Opfern geworden sind. Jede zwanzigste befragte Person hat schon einmal Geld an eine vermeintliche Liebschaft im Internet bezahlt. Und diese Geldsummen, die betragen so im Durchschnitt 400 Euro. Jedes siebte Betrugsopfer hat einmal sogar mehr 1500 Euro überwiesen und nach oben gibt es dann natürlich überhaupt keine Grenzen. Was ein bisschen bedenklich ist, dass nur 6 von 10 Betroffenen das wirklich zur Anzeige bei der Polizei gebracht haben.
Sabine Kaulich: Du Christian, lass uns doch noch einmal darüber reden, wie man sich jetzt am besten vor Love-Scammern schützen kann.
Catharina Ballan: Zu schön, um wahr zu sein? So gehen Sie Love-Scammern nicht auf den Leim.
Christian Kräutler: Zeigen Sie gesunde Skepsis, wenn Sie online kontaktiert werden. Das heißt, nehmen Sie sich Zeit, um die Person, die Sie da kontaktiert, besser kennenzulernen. Nutzen Sie alle Möglichkeiten im Internet, um mehr über die E-Mail-Adresse, das Foto oder den Namen herauszufinden.
Sabine Kaulich: Überprüfen Sie die Identität der mit Ihnen in Kontakt stehenden Person. Checken Sie im Internet verfügbare Informationen, etwa durch die Eingabe des Namens mit dem Zusatz Scam oder Fake. Oder eben, das ist auch eine Möglichkeit, wenn Sie ein Profilbild erhalten haben durch die umgekehrte Bildsuche. Da kann man herausfinden, ob dieses Bild gestohlen wurde.
Christian Kräutler: Ja und spätestens bei finanziellen Forderungen ist Alarmstufe Rot angesagt. Wenn die Online-Liebschaft plötzlich Geld verlangt, dann ist wirklich Schluss mit lustig. Geben Sie niemals persönliche Bankdaten oder andere finanzielle Informationen an Unbekannte weiter.
Sabine Kaulich: Ja, und schützen Sie Ihre Privatsphäre. Geben Sie sensible Daten wie Adresse, Telefonnummer eben wirklich nur vertrauenswürdigen Menschen weiter.
Christian Kräutler: Falls Sie dann tatsächlich von einem Love-Scam betroffen sind, sprechen Sie mit der Familie oder mit Freunden darüber und suchen Sie Unterstützung. Zum Beispiel bei der Organisation Weißer Ring. Und auch sehr wichtig ist, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Sie unterstützen nämlich damit die Strafverfolgung und schützen Ihre Mitmenschen durch wertvolle Informationen.
Sabine Kaulich: So Christian, ich glaube, jetzt haben wir die wichtigsten Tipps und Infos rund um den Liebesbetrug im Internet fürs Erste besprochen.
Christian Kräutler: Ja genau, und vor allem geht es wirklich darum, den Hausverstand eingeschaltet zu lassen, auch wenn man bei Online-Chats richtig großes Herzklopfen hat.
Sabine Kaulich: Herzklopfen und verliebt sein, das sind ja wunderbare Gefühle. Wir freuen uns daher mit all jenen, die über das Internet ihren richtigen Partner oder ihre richtige Partnerin fürs Leben gefunden haben. Tinder, Facebook und Co. sind, wie es aussieht, das Mittel der Zeit um Bekanntschaften zu machen. Mit unserem heutigen Podcast-Thema möchten wir Sie informieren, wir möchten Sie nachdenklich machen, wir möchten Sie aber nicht verunsichern.
Christian Kräutler: Bleiben Sie sicher, bleiben Sie wachsam, bleiben Sie gesund. Danke fürs Dabeisein, alles Gute und bis zum nächsten Mal bei Sicher ist sicher!
Catharina Ballan: Sie hörten Sabine Kaulich und Christian Kräutler, zwei erfahrene Präventionsfachleute des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Mehr Infos zum Thema dieser KFV-Podcast-Episode und zu vielen weiteren wichtigen Sicherheitsthemen finden Sie auf unserer Website kfv.at. Abonnieren Sie Sicher ist sicher auf Spotify, Apple und Google Podcasts sowie auf allen gängigen Podcatcherplattformen und empfehlen Sie unseren Podcast weiter. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Sicher ist sicher, dem Vordenker*innenpodcast des KFV. Servus, Hallo und Grüezi nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz. Du bist ein inspirierter und interessierter junger Mensch im Alter von 15 bis 19 Jahren? Du hast eine coole Idee zum Thema Kindersicherheit? Du möchtest zukunftsweisend die Sicherheit für Kinder auf den Straßen im Haushalt oder in der Freizeit steigern? Dann bist du genau richtig bei unserem Dreiländerwettbewerb Safety for Kids. Schulen machen Sicherheit, Sicherheit macht Schule. Bis 20. April 2024 kannst du mit deiner Klasse und Freundinnen deine geniale Idee auf kindersicher.kfv.at einreichen. Dem Siegerprojekt winken 3000 Euro. Näheres erfährst du unter kindersicher.kfv.at. Wir freuen uns auf deine Ideen, denn frischen Wind in Sachen Sicherheit brauchen wir.
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