Bei Anruf Betrug: Von perfiden Telefontricks und wirksamen Gegenmaßnahmen

Shownotes

„Hallo, Tante Fini! Weißt du, wer hier spricht?“ – Genau solche Telefonanrufe können der Anfang eines Betrugsversuchs sein! In unserem März-Podcast dreht sich alles um Telefonbetrug und andere fiese Maschen aus der Welt des Cyber Crime. Ob Neffentrick, Kautionstrick, Phishing-SMS oder dubiose Investment-Angebote – wer Bescheid weiß, durchschaut diese oft KI-gestützten Fakes und Fallen besser, die es auf persönliche Daten, Wertsachen oder Geld abgesehen haben.

KFV-Expertin Patricia Rosenauer und Thorsten Behrens von Watchlist Internet nehmen gemeinsam mit dem KFV Moderationsduo die neuesten Tricks, Taktiken und Trends der Kriminellen unter die Lupe.

Bleiben Sie wachsam – und hören Sie rein!

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Christian Kräutler: Hallo? Hallo? Tante Fini, wie geht's dir?

Sabine Kaulich: Ja, wer spricht denn da?

Christian Kräutler: Na, ge, rat' einmal.

Sabine Kaulich: Der Lorenz?

Christian Kräutler: Ja, genau. Du, Tante Fini, ich brauch bitte dringend 5000 Euro für meine neue Wohnung. Kannst du mir die vielleicht borgen?

Sabine Kaulich: Na, also ich weiß nicht so recht.

Christian Kräutler: Es wäre halt wirklich ganz dringend. Ich schick da heute Nachmittag einfach meinen Freund, den Toni, vorbei. Der kann das Geld dann bei dir abholen, weil ich nämlich grad beruflich ziemlich erfolgreich bin und ich bin unterwegs. Du, vielen, vielen lieben Dank, Tante Fini, aber sag nix der Mama oder dem Papa, es soll eine Überraschung sein, weißt?

Sabine Kaulich: So oder ähnlich läuft Telefonbetrag ab, der gutgläubige Menschen um große Geldsummen oder, im schlimmsten Fall sogar, um ihr gesamtes Erspartes bringt.

Christian Kräutler: Ja und diese betrügerischen Anrufe oder auch die SMS, die es da gibt. Die grassieren in Österreich seit einiger Zeit wieder ganz, ganz stark. Wie sie sich gezielt vor Telefonbetrug schützen können, darüber reden wir heute und bei uns sind zwei Fachleute für Cybercrime.

Sabine Kaulich: Zu Gast im Podcaststudio sind heute meine Kollegin Frau Patricia Rosenauer vom KFV, und zwar aus dem Forschungsbereich Eigentumsschutz und Herr Thorsten Behrens, Projektleiter von Watchlist Internet am Österreichischen Institut für Angewandte Telekommunikation, kurz ÖIAT. Und gemeinsam werden wir mit ihnen drei Fragen klären und zwar erstens, wie funktionieren ausgefeilte Telefontricks? Zweitens, welche Muster und Methoden von Telefonbetrug gibt es? Und drittens, wie kann ich einen Betrugsversuch erkennen?

Christian Kräutler: Ja und weil es natürlich sehr viele Betrügereien gibt, werden wir auch darüber reden, was man denn eigentlich tun sollte, wenn man bereits Opfer eines Telefonbetrugs geworden ist. Wir liefern also wichtige Tipps und Infos zur Vorbeugung, aber letztendlich auch zur Schadensbegrenzung im Fall eines Falles. Bleiben Sie also dran!

Catharina Ballan: Sicher ist sicher, der Vordenker*innenpodcast des KFV. Episode 25: Bei Anrufbetrug. Von perfiden Telefontricks und wirksamen Gegenmaßnahmen.

Christian Kräutler: Liebe Patricia, lieber Herr Behrens, herzlich willkommen!

Patricia Rosenauer: Danke!

Thorsten Behrens: Vielen Dank für die Einladung!

Sabine Kaulich: Herr Behrens, Sie sind Experte für die Bekämpfung verschiedener Arten von Cybercrime. Würden Sie sagen, dass die Verbrechensart Telefonbetrug eine neue Hochblüte erreicht hat?

Thorsten Behrens: Auf jeden Fall, weil es ist bei den Zahlungsmitteln in den letzten Jahren schwieriger geworden, überhaupt das Geld zu bekommen. Früher hat es gereicht, wenn man die Kreditkartendaten hatte. Heute muss man noch zusätzlich die Freigabe von den Kreditkarteninhabern bekommen und da muss man sich was einfallen lassen. Und das geht am Leichtesten über Telefon, nämlich über sogenanntes „Social Engineering“, dass man den Leuten eine Falle erzählt und dann die Zahlungsfreigabe rauslockt.

Christian Kräutler: Also Telefonbetrug ist wieder sehr in Mode leider und oft auch in einem sehr raffinierten, neuem Kleid versteckt. Nämlich moderne Technologien, Stichwort sage ich nur einmal KI, künstliche Intelligenz, die führen dazu, dass es eben vermehrt wieder zu kriminellen Tätigkeiten in dem Bereich kommt. Gleichgeblieben ist allerdings die Grundintention der Täter, nämlich die Gier nach unserem, nach einem Fremden, nach unserem Geld. Ist das richtig? Habe ich das so zusammengefasst, wie es ist, Herr Behrens?

Thorsten Behrens: Am Ende geht es immer ums Geld, auch wenn am Anfang vielleicht erst mal nur Daten abgefragt werden, aber das alles nur zur Vorbereitung, dass man wirklich dann zum Geld kommt und da wird alles erzählt. Da werden alle Lügengeschichten erzählt. Da wird geschaut Schock, Verzweiflung, eingesetztes Mitleid wird angesprochen, die Neugier oder auch das Vertrauen ausgenutzt und da gibt es dann Anrufe, zum Beispiel vom angeblichen Bankberater, der sagt, Ihnen wurden 12.000 Euro abgebucht, sollen wir das gemeinsam zurückbuchen? Und so wird dann rausgelockt, dass man diese Zahlung über 12.000 Euro eigentlich frei gibt und die 12.000 Euro sind nicht zurückgebucht, sondern sind dann abgebucht.

Sabine Kaulich: Aber da muss man sagen, die gute Nachricht lautet, man kann sich auch davor wappnen. Das Hilfsmittel ist wie immer, sich zu informieren. Wer die Hintergründe und Vorgehensweisen von Verbrechern und Verbrecherinnen kennt, ist da eben eher auf der sicheren Seite. Herr Behrens, was sind denn so die gängigsten Muster und Methoden aktueller Telefonbetrugsmaschen?

Thorsten Behrens: Die häufigsten Formen von Telefonbetrug sind sogenanntes Scam,- und Phishinganrufe. Also da ruft jemand an und gibt eine falsche Identität vor. Zum Beispiel ein Polizeibeamter, der sagt, man wäre in eine Straftat verwickelt, oder ein Bankmitarbeiter, der sagt, da ist eine seltsame Abbuchung passiert, sollen wir gemeinsam das Geld zurückholen, oder eben auch Technikteams von Microsoft oder so, die sagen, da gibt es Probleme an ihrem Computer, die können wir jetzt gemeinsam lösen. Ja, und dann werden halt Softwaren installiert, Schadsoftware oder es wird einem das Geld aus der Tasche gelockt

Christian Kräutler: Und diese Daten, die können natürlich auch Telefonnummern sein beispielsweise. Wenn ich jetzt ein Telefon benutze, wird ja oft einmal irgendwie ganz einfach über harmlos wirkende 0664- oder 0676-Nummern angerufen und das kann dann teilweise schon der Beginn eines Desasters sein.

Thorsten Behrens: Da sollte man auf keinen Fall vertrauen, dass das seriös ist, weil solche Nummern werden genutzt, können genutzt werden von Kriminellen und da muss man auch damit rechnen, wenn so eine seriöse Nummer angezeigt wird, dass das unseriös sein kann.

Sabine Kaulich: Patricia, du bist ja seit Jahren im Puncto Forschung und Prävention mit dem Thema Telefonbetrug befasst. Der berühmterste Telefonbetrug-Scam ist wohl immer noch der altbekannte Neffentrick, oder?

Patricia Rosenauer: Genau, der Neffentrick ist nach wie vor im Mode und da werden meistens ältere Menschen, vor angeblichen Neffen oder Nichten oder Enkelkindern, angerufen und wie wir es im Intro schon gehört haben, um Geld gebeten, das aufgrund von irgendeiner Notsituation dringend gebraucht wird. Falls der Betrag nicht zu Hause ist, wird die Person unter Druck gesetzt, noch am selben Tag zur Bank zu gehen und das Geld sofort abzuheben und es wird meistens ein Bote oder eine Botin hingeschickt, die die dringend benötigte Barschaft abholen soll. Weil der Neffe, die Nichte oder das Enkelkind, es hat halt keine Zeit.

Christian Kräutler: Der Trick ist ja in Wirklichkeit schon sehr, sehr alt, aber leider sind die Folgen böse und waren früher so, sind heute auch wieder so. Viele ältere Menschen haben nämlich auf diese Weise ihre gesamten Lebensersparnisse an Kriminelle verloren und das ist leider bitter.

Patricia Rosenauer: Ja genau, das passiert leider immer wieder auch in Österreich und teilweise wird bei der Anwendung vom Neffentrick auch moderne Technologie verwendet. Durch einen Einsatz von künstlicher Intelligenz, also KI, lässt sich die Stimme von Verwandten täuschend echt nachmachen, indem man zum Beispiel aus Social Media Videos die Stimmen herausholt und die dann von einer KI einsprechen lässt.

Sabine Kaulich: Eigentlich ein Wahnsinn, der nimmt diese Täuschung ganz an eine neue Dimension an. Patricia, lass uns über eine weitere, sehr oft angewandte Betrugsmasche sprechen, der sogenannte Kautionstrick. Auch hier wieder dieselbe Taktik, es geht um eine akute Notsituation. Wie läuft denn dieser Kautionstrick so in der Praxis ab?

Patricia Rosenauer: Genau, beim Kautionstrick wird ein dramatisch inszenierter Telefonanruf durchgeführt, also Eltern kriegen zum Beispiel einen Anruf von angeblichen Freunden oder von Anwälten für die Kinder und es ist irgendwas ganz, ganz Schlimmes passiert. Zum Beispiel ein Unfall mit Personenschaden und der Sohn oder die Tochter sei am Steuer gesessen und wäre jetzt in Untersuchungshaft und nur durch eine Kaution kann die rasche Wiedererlangung von der Freiheit erzielt werden.

Christian Kräutler: Das ist also besonders übel, weil die Leute da ja tatsächlich in Panik versetzt werden. Da kriegst du ja Angst, wenn dir mit deinem Kind was passiert oder deinem Kind gesagt wird, den Eltern passiert irgendwas. Ja, und wenn ich panisch bin, dann gibt es Kurzschlussreaktionen. Ein Klassiker in dieser Sache Panikmache, das ist ja auch der Polizistentrick. Bitte erzähl uns doch noch, wie der funktioniert.

Patricia Rosenauer: Genau, der funktioniert eigentlich ganz ähnlich nach dem gleichen Schema, also ein falscher Polizist ruft an und erklärt, dass die Wohnadresse der angerufenen Person Zielobjekt von einer Diebesbande sei die gerade in der ganzen Umgebung ihr Unweisen treibt, aber man könnte natürlich Abhilfe schaffen, indem man alle daheim befindlichen Wertgegenstände an der Tür abgibt und zwar an die Polizei. Die kommt nämlich gleich vorbei und holt das alles ab und bringt es in Sicherheit.

Sabine Kaulich: Ja, eigentlich unglaublich, dass das wirklich funktioniert.

Patricia Rosenauer: Genau, diese Tricks funktionieren eigentlich alle gleich, indem extrem großer Druck erzeugt wird, der dann in gewisser Weise das Hirn ausschaltet.

Christian Kräutler: Die Münzsammlung oder das Familiensilber, habe ich ja Gott sei Dank nicht so viel davon, sollte man also nicht wirklich leicht aus der Hand geben. Die Königsklasse des Telefonbetrugs, die spielt sich ja in ganz anderen, nämlich in schwindelerregenden Höhen. Da werden Riesengeldsummen verloren, und zwar beim Betrug mittels vorgetä23uschter Internethandelsplattformen. Herr Behrens, worum dreht es sich da ganz genau? Thorsten Behrens: [00:09:] Ja beim „Cybertrading Fraud“ werden die Leute Opfer über Inserate in Social Media zum Beispiel in diese Fallen gelockt und wenn die sich erst mal dort angemeldet haben und in den Fängen sind, dann werden die ganz toll betreut. Nämlich von Telefonberatern, die wirklich sehr sympathisch sind, die kompetent wirken und einem dann das Blaue vom Himmel erzählen und da eben, ja, über diese Callcenter in diese Fallen gelockt werden

Sabine Kaulich: Also wenn ich nochmal nachfragen darf, Herr Behrens, das heißt auch einfach ein Kundenberater oder Beraterin ruft mich an und verspricht mir einfach eine gute Investition und das Ganze läuft online ab und da gibt es einfach viele, die sozusagen das annehmen.

Thorsten Behrens: Genau, also man ist eingeloggt auf einer Plattform, wo man sieht, was man investiert hat und was man alles gewonnen hat angeblich, was es an Gewinn gab und das Ganze wird auch noch von diesen Telefonberatern, wird man toll betreut. Man bekommt gesagt, wie viel man denn investieren soll, was gerade lukrativ ist, was noch mehr bringen könnte und so zahlt man da immer mehr ein. Man sieht auch, wie die Kurve nach oben geht auf diesen Plattformen. Das ist aber reiner Schwindel, das ist alles erlogen, was da zu sehen ist. Man hat keine Gewinne gemacht und wird auch dieses Geld nie wieder bekommen.

Christian Kräutler: Ja, so Kurven nach oben, die machen dann schon gierig, nehme ich mal an, aber Obacht bei solchen Versprechungen, die so schön klingen. Manchmal sind sie einfach zu schön, um wahr zu sein. Und oft platzt so ein Wunschtraum von einem Millionengewinn, wie eine Seifenblase. Es gibt einfach leidvolle, viele leidvoll Betroffene in diesem ganzen Bereich. Wir haben da zum Beispiel den deutsch-österreichischen Podcast „Call me Günther“, der zu solchen Betrugsfällen eine spannende Dokumentation liefert. Er ist also wirklich hörenswert. Wer da Lust hat, da mal reinzuhören, Podcast „Call me Günther“ ist neben unserem Podcast sicher eine ganz wichtige Information in dem Bereich.

Sabine Kaulich: Also egal wie seriös das Angebot wirkt, man sollte einfach immer auf der Hut sein und strickt Nein sagen.

Thorsten Behrens: Ganz genau!

Sabine Kaulich: Kommen wir jetzt zu den betrügerischen SMS-Nachrichten, die das im Umlauf sind. Welche Kurznachrichten mit kriminellen Motiven trudeln denn da aktuell ein?

Thorsten Behrens: Also was wir natürlich immer wieder sehen, ist, dass diese Kurznachrichten darauf aus sind, persönliche Daten zu gewinnen, dass die Kriminellen erstmal möglichst viele Daten bekommen. Da kommen dann von vermeintlichen Bankunternehmen SMS, da kommen von Paketzustelldiensten angeblich SMS und ja, man muss dann auf einen Link klicken, weil, damit man das Paket auch weiterleiten kann, da gab es angeblich irgendwelche Probleme, und wenn man dann auf diese Seite kommt, dann muss man alle möglichen persönlichen Daten erst mal eingeben und das ist in dem Fall das Ziel, dass die Kriminellen eben Daten sammeln, um das später vielleicht auch für einen anderen Betrug nutzen zu können, um da überzeugender zu wirken, zum Beispiel bei einem Telefonanruf und da ist ganz wichtig, wenn sowas eingegeben werden soll, dann heißt es Finger weg!

Sabine Kaulich: Also ich denke, das ist eine sehr problematische Situation zurzeit, denn vieles wird einfach online gekauft. Viele von uns erwarten eigentlich regelmäßige Pakete und da kann man auch leicht den Überblick verlieren und das ist, glaube ich, auch die Grundproblematik. Es gibt aber auch noch andere sehr üble Fake-SMS, nämlich gefälschte Tochter- oder Sohn-Nachrichten. Herr Behrens, wie laufen denn die ab?

Thorsten Behrens: In dem Fall bekommt man eine SMS, eine Nachricht. Hallo Mama oder Hallo Papa, mein Handy ist kaputt. Ich habe jetzt ein neues Telefon, habe eine neue Nummer und bitte schreib mir eine WhatsApp-Nachricht, also da wird man erstmal gleich in den neuen Kanal gelockt und dann glaubt man, man schreibt jetzt mit dem eigenen Kind, aber eigentlich schreibt man mit den Kriminellen und die können einem dann natürlich alles erzählen. Man hat ja auch ein gewisses Vertrauen, weil man glaubt ja, da ist das eigene Kind am anderen Ende.

Christian Kräutler: Herr Behrens, ich hab selber immer wieder mal einen Anruf, der ist ja ganz kurz auf meinem Handy. Gerade, dass man nicht selbst abheben kann. Da schau ich kurz nach, was ist das für eine Nummer, rufe dann meistens nicht wirklich zurück. Ist das auch so eine Geschichte, wo man aufpassen muss? Und wie nennt man sowas?

Thorsten Behrens: Das sind sogenannte Ping-Anrufe, also eigentlich läutet es dann nur mal und man sieht in der Liste, da hat jemand angerufen und wenn man dann zurückruft, dann werden einem erst mal irgendwelche Ansagen gehalten. Das sind meist kostenpflichtige Nummern und je länger man in dieser Nummer bleibt, desto mehr kostet es einen eben auch, also wirklich eine teure Kostenfalle.

Sabine Kaulich: Also ich habe auch schon ein paar Mal solche Ping-Anrufe erhalten mit einer ganz komischen Landesvorwahl. Ich habe dann nicht zurückgerufen, weil es mir halt einfach seltsam vorgekommen ist.

Thorsten Behrens: Genau, richtig gehandelt. Nicht zurückrufen! Und dann gibt es auch noch die sogenannten Callbot-Anrufe. Da ruft ein Computersystem an mit einer computergenerierten Stimme und fordert einen zu etwas auf. Zum Beispiel, dass man eine Tastenkombination oder einfach die Taste 1 drücken soll. Danach kann es sein, dass Angebliche Polizeibeamte dran sind, die versuchen, einem das Geld aus der Tasche zu locken, aber ganz oft passiert da noch gar nichts, wenn man die Eins gedrückt hat, haben die Kriminellen dadurch nur abgefragt, ob man ein potenzielles Opfer für Internetbetrug ist, ob man auf so was reinfallen könnte. Dann heißt es in der Zukunft, ganz besonders vorsichtig sein, wenn solche Dinge kommen und eher noch mal drüber nachdenken.

Christian Kräutler: Das heißt für uns, die jetzt keine Profis sind, Callbot-Anrufe einfach abbrechen, stimmt das?

Thorsten Behrens: Einfach abbrechen, gar nicht reagieren, kurz nachdenken und dann mal woanders nachfragen, kann das denn sein?

Sabine Kaulich: Wir haben jetzt über allerhand unterschiedliche Telefon- und SMS-Betrugsmaschen gesprochen. Herr Behrens, können Sie uns vielleicht noch einmal die wichtigsten Verhaltensregeln kurz zusammenfassen?

Thorsten Behrens: Also ganz wichtig ist erstmal, wenn einem was seltsam vorkommt, wenn das Bauchgefühl sagt, da kann was nicht stimmen, dann ist da oft auch was dran, dann sollte man sehr skeptisch sein. Anrufe mit allzu verlockendem oder schockierendem Inhalt, die sollte man wirklich kritisch hinterfragen und wenn da auch noch der Geldregen versprochen wird, dann ist es einfach zu schön, um wahr zu sein. Oder wenn am Ende die Welt untergeht, sollte man auch mal kurz tief durchatmen und das nicht sofort glauben. Nämlich dann eben ruhig bleiben, den kühlen Kopf bewahren und dann erstmal das Telefongespräch beenden und versuchen, auf anderem Weg rauszufinden, kann das denn wirklich sein? Dass dann eben mit der Familie, mit Freunden oder mit anderen Vertrauenspersonen darüber reden und wenn man merkt, das war ein Betrugsfall oder man ist schon Opfer von Betrug geworden, dann auch Anzeige bei der Polizei erstatten und das vielleicht auch an uns an die Watchlist Internet melden, dass wir andere davor warnen können. Damit man nicht allzu viele von diesen Anrufen bekommt, ist es vielleicht hilfreich, die eigene Telefonnummer aus dem Telefonbuch streichen zu lassen und man sollte niemals fremden Personen, ob uniformiert oder nicht, Geld oder Wertsachen übergeben. Und generell ist auch immer ein achtsamer Umgang mit sensiblen persönlichen Daten sehr hilfreich, also nicht zu viel rausgeben, sich immer überlegen, was würde ich an ein großes Plakat am Stephansdom aufhängen, das kann man auch auf Social Media veröffentlichen. Und dann auch niemals auf Anweisung fremder Personen irgendwelche unbekannten Links klicken, sondern generell bei Links immer überlegen, kann das denn echt sein? Ist das wirklich überzeugend? Kann ich da wirklich vertrauensvoll draufklicken?

Christian Kräutler: Also eine ganze Menge, die wir da wissen sollten, die wir im Social-Media-Bereich unterwegs sind, Mobiltelefone nutzen. Ich fürchte, es wird das eine oder andere Opfer trotz unseres Podcasts auch künftig noch geben und deshalb, Herr Behrens, kommen wir zu einer, glaube ich, auch wichtigen Frage. Was soll ich denn jetzt eigentlich tun, wenn ich tatsächlich Opfer eines Betrugs geworden bin?

Thorsten Behrens: Als Erstes geht es mal um Schadensbegrenzung, also wenn wirklich Geld gezahlt wurde, dann sofort zum Kreditunternehmen oder zur Bank auch gehen und sagen kann ich das Geld noch irgendwie stoppen oder zurückholen, dann auf jeden Fall auch Anzeige bei der Polizei erstatten auch wenn man das Gefühl hat, dass in dem Einzelfall vielleicht nicht direkt viel passiert ist es trotzdem so nur mit vielen Mosaiksteinen, können die Polizisten dann auch in der Strafverfolgung was zusammensetzen und daraus vielleicht dann den Täter finden, wenn die nichts haben können die auch nichts finden. Und ja da ist es generell wichtig informieren, sich informieren. Wer die Fallen kennt, wird eben nicht so leicht reinfallen.

Sabine Kaulich: Ja, und ich denke, es ist ja oft auch mit einer gewissen Scham verbunden, wenn man jetzt Angehörigen erzählen muss, dass man da Opfer eines Betruges geworden ist und ja, und Betrügern auf den Leim gegangen ist. Was könnte man denn da am besten tun?

Thorsten Behrens: Das mit der Scham, ja, das ist verständlich auf der einen Seite. Man hat so das Gefühl, Ich kenne mich mit dem Ganzen ja nicht so richtig aus. Das braucht man aber nicht haben. Die Kriminellen haben für jeden die passende Falle und ja, da kann es jeden treffen. Es wird auch wahrscheinlich jeden irgendwann mal treffen und man muss sich davor nicht schämen. Und die Kriminellen wissen sehr genau, wie man einen in die Falle locken kann. Mit Stress, mit Zeitdruck, mit Panikmache, mit Emotionen usw., also die spielen genau mit der Verletzlichkeit, mit den Urängsten der Menschen und die Verbrecher wissen zu manipulieren. Deswegen ist es ganz, ganz wichtig, dass man die Fallen so gut wie möglich kennt, weil dann wird man in der entsprechenden Situation richtig reagieren.

Christian Kräutler: Ich kann mir gut vorstellen, dass viele, die ihren Kummer, die Wut oder Selbstvorwürfe, die man sich vielleicht macht, wenn man da jetzt große Beträge verloren hat, dass man die so in sich reinfrisst, in Depressionen vielleicht sogar verfallt. Das ist wahrscheinlich einfach der falsche Weg oder da gibt es bessere Wege.

Thorsten Behrens: Besser ist, aktiv zu werden, auf jeden Fall schon mal die Anzeige zu erstatten bei der Polizei, ist da schon mal loszuwerden, sich vielleicht professionelle Hilfe holen oder auch im privaten Umfeld drüber reden. Da ist ganz wichtig, dass man das auch mal rauslassen kann und mal drüber reden kann.

Sabine Kaulich: Also wenn man Opfer eines Betrugs im größeren Ziel geworden ist, dann kann man schon verzweifeln. Sicher kann psychologische Betreuung sicher Abhilfe schaffen. Patricia, was sagst du?

Patricia Rosenauer: Ja, auf jeden Fall. So ein Ereignis kratzt natürlich sehr am Selbstwertgefühl. Es gibt psychologische und juristische Beratungsstellen, die in solchen Fällen helfen können. Auf der Website www.oesterreich.gv.at, mit OE geschrieben, findet sich eine Liste mit hilfreichen Beratungsstellen oder eben auch auf der Seite von der Watchlist-Internet.

Christian Kräutler: Also auf jeden Fall mal Hilfe suchen und die Hilfe auch wirklich annehmen. Das ist wichtig. Das KFV hat ja eine Dunkelfeldstudie zum Thema Telefonbetrug durchgeführt und du liebe Patricia, du hast glaube ich ein paar ganz interessante Daten und Fakten dieser Studie dann auch mitgebracht. Erzähl uns doch mal was darüber.

Patricia Rosenauer: Genau im Rahmen von unserer Dunkelfeldstudie haben wir eine repräsentative Umfrage durchgeführt und die Resultate sorgen, dass eben fast alle Österreicher*innen, also 96 Prozent der Befragten schon mal von Telefonbetrug zumindest gehört haben. Ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung kriegt häufig Anrufe von unbekannten oder unterdrückten Telefonnummern und 83 Prozent der Befragten waren schon Ziel eines Betrugsversuches, konnten den aber rechtzeitig durchschauen und abwenden, ohne dass sie einen finanziellen oder materiellen Schaden gehabt hätten. Und was die wirklich Betrugsfälle anzeigt, zeigt die Studie erst, dass 6 Prozent von den Betroffenen bereits an finanziellen Schaden erlitten haben und 5 Prozent wirklich unter emotionalen Folgen leiden. Es ist aber dennoch so, dass nur 8 Prozent der Geschädigten auch eine polizeiliche Anzeige erstatten.

Sabine Kaulich: Ich denke, diese Problematik ist in der Bevölkerung zwar grundsätzlich bekannt und viele haben da auch schon sehr viele leidvolle Erfahrungen damit gemacht. Ich denke, es wäre einfach wichtig, dass man eben die Scham überwindet und einfach ganz viel darüber redet, denn nur so kann einfach die Information gestreut werden und so kann einfach auch das Sicherheitsbewusstsein noch diesbezüglich gestärkt werden, oder?

Patricia Rosenauer: Genau, die Bevölkerung sollte da noch viel wachsamer werden, also genau hinhören und kritisch hinterfragen, was jetzt ein Fakt ist und was ein Fake, bzw. eine gesunde Portion Skepsis sollte immer gefragt sein, wenn Menschen am Telefon an der Haustür oder im Internet an die persönlichen Daten von jemandem wollen oder ans Geld. Besonders wichtig ist natürlich, dass man sie nicht unter Druck setzen lässt, weil schließlich funktionieren die meisten Tricks auf diesem Weg.

Thorsten Behrens: Und wir haben es ja bereits öfter gesagt, wer die Fallen kennt, ist weniger gefährdet und auf der Watchlist Internet unter www.watchlistinternet.at informieren wir immer über die aktuellsten Fallen, die es gerade gibt und wer unseren kostenlosen Newsletter abonniert, oder die App installiert oder sich in den WhatsApp-Kanal einträgt, der bekommt die aktuellen Informationen sogar direkt ins E-Mail-Postfach oder auf Smartphone. Und wer Fallen entdeckt und uns meldet, hilft dabei, andere zu warnen.

Christian Kräutler: Jetzt haben wir sehr, sehr viele Gefahren gehört, aber ich habe eine sehr, sehr gute Nachricht auch am Schluss. Es gibt sie nämlich, die Heldinnen und die Helden des Alltags. Diejenigen nämlich, die Telefonbetrüger an den Garaus machen, indem sie einfach überhaupt was tun und dann noch dazu das Richtige tun. Besonders cool habe ich eine gestandene Steirerin gefunden, die einen Möchtegernbetrüger am Telefon hatte und direkt zum Polizeiposten gefahren ist und der Ganove, der konnte dann bei der vermeidlichen Geldübergabe gleich verhaftet werden. Eine super Sache, also bin richtig stolz, super gemacht diese Dame.

Sabine Kaulich: Also wenn dann im Packerl nur alte Hemden oder Kieselsteine sind und dann ein paar Sekunden später die Handschellen klicken, dann haben sich die Täter ganz einfach verkalkuliert. Tolles Teamwerk mit der Polizei, souveräne, persönliche Leistung.

Patricia Rosenauer: Genau, super Leistung.

Thorsten Behrens: Fabelhaft gelöst.

Sabine Kaulich: Patricia Rosenauer und Thorsten Behrens, wir sagen ganz herzlichen Dank fürs Kommen und für die wirklich interessanten und wichtigen Informationen.

Patricia Rosenauer: Bitte gern!

Thorsten Behrens: Vielen Dank für die Einladung!

Christian Kräutler: Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, vielen Dank fürs Dabeisein. Beim nächsten Mal in unserem April-Podcast geht es dann um das dramatische Thema Geisterfahrer. Wie kommt es zu Geisterfahrten? Wie kann man sie verhindern? Wie reagiert man bei einer aktuellen Geisterfahrermeldung oder gar bei einer drohenden Begegnung richtig? Bleiben Sie wachsam, bleiben Sie cool und couragiert, unterscheiden Sie Fakt und Fake und bleiben Sie auf der sicheren Seite.

Sabine Kaulich: Schönen Frühlingsbeginn allerseits, bis bald im April bei Sicher ist sicher.

Catharina Ballan: Sie hörten Sabine Kaulich und Christian Kräutler, zwei erfahrene Präventionsfachleute des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Zu Gast im Studio waren Patricia Rosenauer vom KFV-Forschungsbereich Eigentumsschutz und Thorsten Behrens Projektleiter Watchlist Internet am österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation, ÖIAT. Mehr Infos zum Thema dieser KFV-Podcast-Episode und zu vielen weiteren wichtigen Sicherheitsthemen finden Sie auf unserer Website kfv.at. Alle KFV-Podcast-Folgen sind unter kfv.at/podcast abrufbar. Abonnieren Sie Sicher ist sicher auf Spotify, Apple und YouTube, sowie auf allen gängigen Podcatcherplattformen und empfehlen Sie unseren Podcast weiter. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Sicher ist sicher, dem Vordenker*innenpodcast des KFV.

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