Micromobilität - Chance oder Gefahr?

Shownotes

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Sie mühelos, schnell und umweltfreundlich durch die Stadt gleiten. Genau das bietet Ihnen die Micromobilität – aber wohin geht die Reise? In dieser Folge nehmen Sie Dr. Armin Kaltenegger, KFV Bereichsleiter für Recht & Normen, und sein Gesprächsgast, Herr Darius Scurtu, MSc, Experte im McKinsey Center for Future Mobility mit auf eine spannende Entdeckungsreise.

Was versteckt sich hinter dem Begriff „Micromobilität“? Welche dringenden Verkehrsprobleme kann die Micromobilität lösen? Was spricht für bzw. gegen ihre Nutzung? Welche Bedenken gibt es? Welche traditionellen Verkehrsmittel werden dadurch verdrängt? Was sind die Sicherheitsbedenken? All das und vieles mehr besprechen die beiden Mobilitätsexperten und geben

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Catharina Ballan: Sicher ist sicher, der Vordenker*innen Podcast des KFV. Episode 15a Mikromobilität der Zukunft. Diese Sonderfolge wurde anlässlich der Präsentation des Handbuches zum Thema e-Scooter mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema Mikromobilität der Zukunft aufgezeichnet. Durch das Gespräch führte Dr. Armin Kaltenegger, KFV-Bereichsleiter für Recht und Normen, sowie Herausgeber des aktuellen Handbuches e-Scooter. Sein heutiger Gesprächsgast ist Herr Darius Skurtu, Experte im McKinsey Center for Future Mobility.

Armin Kaltenegger: Lieber Darius, danke, dass du von Deutschland nach Österreich gekommen bist. Mich würde es sehr interessieren, was machst du konkret beruflich, dass du dich mit dem Thema, nämlich auch auf dieser Metaebene, so gut auskennst.

Darius Scurtu: Ja, vielen Dank, Armin, dass ich hier sein darf. Es ist mir wirklich eine Ehre, auch in eurer wunderschönen Stadt Wien zu sein. Mein Name ist Darius Scurtu, hast du richtig gesagt, ich bin Teil des McKinsey Center for Future Mobility. Das ist unser McKinsey-internes Think Tank zur Zukunft der Mobilität. Das heißt, wir sind eine Gruppe aus knapp 200 Kollegen, die tagein, tagaus nichts anderes machen, als sich mit der Zukunft der Mobilität zu beschäftigen. Ich mache das mittlerweile seit sechs Jahren und bin da vor allem verantwortlich für den Bereich Mikromobilität und auch geteilte Mobilität und arbeite seit diesen sechs Jahren eigentlich mit Klienten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. Das bedeutet sowohl Automobilhersteller, Versicherungsunternehmen bis hin auch zu natürlich Mobilität-Startups. Und ja, ich freue mich hier zu sein, um mit dir über das Thema zu sprechen.

Armin Kaltenegger: Und ich freue mich auf das Gespräch jetzt, weil jemand, der sich so viel mit der Zukunft beschäftigt, glaube ich, wird uns heute Einiges sagen können. Gehen wir gleich ins Thema. Triggerpoint für diesen Podcast war das Handbuch e-Scooter, der Ratgeber e-Scooter, den wir herausgeben. E-Scooter ist Teil der Mikromobilität, aber was ist eigentlich Mikromobilität und welche Relevanz hat Mikromobilität heute?

Darius Scurtu: Ja, das ist eine sehr gute Frage. Und nachdem wir wissen, dass ca. 60 Prozent aller Wege unter 8km sind, ist der Markt natürlich in der Theorie ein extrem großer Markt. Wir sehen auch, wenn wir Konsumenten fragen, dass ca. 70 Prozent aller Konsumenten weltweit sagen, dass sie bereit sind, auch Mikromobilität in ihrem normalen Alltagsmodalmix zu verwenden. Das heißt, der Markt ist nicht nur theoretisch, aber auch praktisch sehr, sehr groß. Und ich glaube, das zeigt sich auch so ein bisschen dann in den Marktzahlen. Also, wenn wir die Value Pools kalkulieren, Value Pools definieren wir als die Umsätze aller Spieler entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Mikromobilität, dann glauben wir, ist der Markt heutzutage bei ungefähr 160 Milliarden US-Dollar, also wirklich sehr, sehr groß und übersetzt in eine Zahl an Kilometern glauben wir oder schätzen wir, dass der Markt ungefähr bei 12 Prozent des Gesamtmobilitätmixes ist. Das bedeutet, anders gesagt, 12 Prozent aller Personenkilometer weltweit werden heutzutage schon mit Mikromobilität absolviert. Und entsprechend natürlich ist der Markt, glauben wir auch, sehr, sehr groß. Und ich glaube, wenn man jetzt ein bisschen auch reingeht in den Markt und versucht zu verstehen, wie teilen sich denn die Regionen auf und auch welche Moden sind vor allem relevant, dann ist interessant zu sehen, dass zwar in Südamerika, Afrika und Asien die meisten Kilometer gefahren werden durch Mikromobilität, aber der Marktwert typischerweise in Europa und in China ist. Auch natürlich, weil die Preise pro gefahrenen Kilometer einfach größer sind und auf der anderen Seite sehen wir, dass wenn du quasi den Mikromobilitätmarkt aufteilst in Fahrrad, Moped und E-Scooter, dann natürlich hat das Fahrrad die absolut höchste Bedeutung. Also wir glauben, dass circa 75 Prozent der Value Pools auf das private Fahrrad zurückzuführen sind, gefolgt dann vom Moped, was natürlich sehr, sehr stark ist in Asien und dann ist der E-Scooter interessanterweise aber momentan noch sehr, sehr irrelevant.

Armin Kaltenegger: Bei den gewaltigen Zahlen in der Ausgangslage drängt sich meine nächste Frage eigentlich fast auf. Wie wird sich das weiterentwickeln? Wie wird sich die Relevanz der Mikromobilität weiterentwickeln und damit auch der Markt?

Darius Scurtu: Ja, wir glauben, dass Mikromobilität tatsächlich eine der entscheidenden Moden ist, damit Länder und Städte auch die Mobilitätswende und im Endeffekt auch die Klimaziele erreichen. Also wenn man sich die Welt anschaut und versteht, dass eigentlich 20 Prozent der globalen Treibhausemissionen auf den Transport zurückgehen und wenn man dann realisiert, dass viele Städte auch weltweit, wir schätzen ungefähr 60 Prozent aller Städte in den USA und Europa, Maßnahmen planen, um Mikromobilität attraktiver zu machen, das heißt ganz konkret in Fahrradwege investieren, Steuerleichterungen planen für Fahrräder, für vor allem E-Bikes, dann sehen wir haben Städte, Gott sei Dank muss man sagen, verstanden, dass Mikromobilität tatsächlich auch einen Beitrag zur Mobilitätswende leisten kann. Um jetzt ein Beispiel zu nennen, wir sehen in Oslo das sehr, sehr stark. Also Oslo hat versucht, momentan bis 2030 den Autoverkehr um 33 Prozent zu reduzieren. Und was die Stadt aktiv macht, ist, es setzt quasi alle Autowege in der Innenstadt zu Fahrradwegen es wird, so ist der Plan, bis 2030 keine Straßen mehr geben, die durch Autos, also durch Pkw, befahren werden. Das ist ein Beispiel, aber auch hier in Österreich natürlich. Ich glaube, Wien plant ja, die Fahrradwege um 20 Kilometer auszuweiten bis 2030. Innsbruck ist, glaube ich, noch ambitionierter. Die wollen auch den Modalsplit, glaube ich, auf 20 Prozent bringen. Das heißt, kurzum, man sieht, dass Mikromobilität für viele Städte und Länder auf dieser Welt eine entscheidende Rolle spielt. Ist sicherlich nicht, oder, nicht die einzige Mode auf dieser Welt, die dazu beitragen wird, aber ein entscheidender Faktor auch zur Mobilitätswende. Deswegen sind wir relativ optimistisch, was den Markt angeht. Und wir glauben auch, dass es noch einen zweiten großen Treiber gibt. Und dieser zweite große Treiber ist der Konsument selbst. Ich habe die 70 Prozent schon erwähnt. Also eine Mehrheit der globalen Konsumenten findet Micromobility gut und wird es auch in Zukunft öfter verwenden. Und ich glaube, was da auch reinspielt, ist einfach die Entwicklung, dass wir Formfaktoren sehen werden, die nicht sich beschränken auf den zweirädrigen E-Scooter oder auf das manuelle Fahrrad. Sondern es entsteht momentan ein Markt, der so viele verschiedene Use-Cases adressiert, der es somit auch viel, viel interessanter macht für Konsumenten, die bisher nicht adressiert wurden, auf Micro umzusteigen. So, dass wir meinen, ist der Markt tatsächlich ein sehr, sehr großer Markt in Zukunft und wir schätzen vielleicht als letzte Zahl, dass sich der Markt bis 2030 ungefähr um den Faktor 2 vergrößern wird, also von diesen 160 Milliarden US-Dollar auf 340 Milliarden US-Dollar steigen wird.

Armin Kaltenegger: Weil du diesen zweiten Treiber angesprochen hast, den Konsumenten, ähnlich erlebe ich das auch. Ich erlebe das wie einen Bottom-Up-Prozess. Es ist kein Angebot, das hier gemacht wurde an die Verkehrsteilnehmenden, sondern das war so ein richtiger Druck von unten, wir wollen das. Es wurde auch gemacht, wo es illegal war oder Grauzonen da waren und gar nicht klar war, aber es ist erlaubt, es wurde mal gemacht und damit Handlungsdruck beim Staat, bei anderen Einrichtungen, bei Anbietern und so erzeugt. Also das kommt wirklich von ganz von unten, wie ein Plebiszit zu beurteilen.

Darius Scurtu: Und wenn ich dazu vielleicht was sagen darf, das ist glaube ich ein sehr guter Punkt. In der Tat glaube ich, und wir sprechen jetzt auch in diesem Podcast vor allem von E-Scootern, ist der E-Scooter-Markt vermutlich der am ehesten Bottom-up getriebene Markt. Also wir sehen, dass, ich meine, wir sprechen da nur über den E-Scooter, weil es zwei, drei Anbieter von geteilten E-Scootern gab in den USA, die jetzt schnell expandiert sind und die uns dann vor die Fragen stellen, die wir heute diskutieren, also wie kann man das sicherer machen, wie kann man die auch gut regulieren? Und ich glaube in der Tat ist der E-Scooter ein sehr sehr gutes Beispiel dafür, wie auch bottom-up der Markt sich momentan entwickelt.

Armin Kaltenegger: Insgesamt, welche Rolle spielt der E-Scooter im gesamten Mobilitätssektor, also im Mikromobilitätssektor und auch im Mobilitätssektor?

Darius Scurtu: Eine sehr gute Frage. Ich fange mal vielleicht mit dem Markt heute an. Also wenn man sich die Zahlen anguckt, dann wissen wir, machen E-Scooter Wege nur 0,1 Prozent aller Wege aus in Europa. Das heißt, ausgehend von dieser Zahl, wenn man ehrlich ist, machen wir momentan viel Tamtam um einen sehr, sehr kleinen Markt. Die Wahrheit ist aber auch, dass wir mittlerweile, ich glaube 600 Millionen shared E-Scooter Trips machen in Europa. Und das allein in einem Jahr 2023. Das heißt, die Relevanz wird deutlich, deutlich zunehmen. Und ich glaube auch, dass man tatsächlich hier zwischen zwei Punkten unterscheiden muss: Ich glaube, das eine ist der geteilte e-Scooter. Das heißt, der e-Scooter, der, wenn du so willst, vor drei, vier Jahren in einer Art Wild West-Modus über uns reingeflutet ist und alle Städte überflutet hat. Und das andere ist aber, glaube ich, auch der privat gehaltene E-Scooter. Und wir sehen schon momentan, dass wir einen Shift haben vom geteilten E-Scooter zu einem privat gehaltenen E-Scooter. Wenn wir Konsumenten fragen, dann bevorzugt die klare Mehrheit, knapp 70 Prozent, privat gehaltene E-Scooter gegenüber dem geteilten E-Scooter. Und wenn wir die Konsumenten fragen, warum ist das denn so, dann ist häufig die Antwort, naja, der privat gehaltene E-Scooter, der gibt mir einfach mehr Flexibilität. Er ist auch sicherlich auf lange Zeit günstiger als der geteilte E-Scooter und somit glaube ich, muss man hier so ein bisschen unterscheiden natürlich auch, ob er privat oder geteilt ist. Aber klar, mich würde auch deine Meinung interessieren, Amin, weil du bist da sicherlich der Experte auch in diesem Bereich.

Armin Kaltenegger: Ja, aber jetzt bin ich neugierig geworden. Du kennst dich sehr gut aus, du beschäftigst dich sehr viel mit E-Scootern. Wie hältst du das privat? Fahrst du? Hast du einen?

Darius Scurtu: Ich fahre gerne geteilt. Ich habe keinen privat, könnte mir aber sehr gut vorstellen, auch einen zu fahren. Also ich glaube, was mich und vermutlich auch analog zu mir Menschen im, sag ich mal, mittleren Alter angeht, die auch gerne mal einfach flexibel sein wollen und flexibel mobil sein wollen, antreibt ist, dass es e-Scooter mittlerweile gibt, die auch sehr, sehr gut ausschauen, die auch von der Qualität deutlich besser sind, als noch die shared e-Scooter vor vier, fünf Jahren. Also für mich persönlich, ich passe wahrscheinlich auch sehr gut in diese Kundengruppe, die sagt, du pass auf, ich habe mal einen geteilten verwendet, aber würde gerne auch mal einen privaten fahren, weil ich überzeugt davon bin, dass er mir einfach die Flexibilität bietet, die vielleicht mir ein Fahrrad nicht bietet. Aber Armin, wie ist es denn bei dir? Fährst du ein e-Scooter?

Armin Kaltenegger: Ja, da bin ich jetzt voll erwischt. Ich nutze, wo auch immer ich bin. Das war schon in Barcelona, in Madrid. In Paris, solange es noch erlaubt war, in Berlin, überall, shared e-Scooter, natürlich auch in Wien. Man kann das mit der gleichen App tun, ich muss nicht einmal was runterladen. Ich habe einen privaten e-Scooter, da habe ich mir einen noch tolleren gekauft vor kurzem und ich habe sogar einen Firmen e-Scooter. Der steht bei mir auf dem Auto, manchmal fahre ich nur mit dem Scooter, manchmal stelle ich das Auto ab und fahre The Last Mile mit dem Scooter. Also ich bin eher ein Freak hier. Also ein Fan. Super. Jetzt ist es schon sehr subjektiv geworden und da glaube ich, setzen wir mit dieser Frage fort. Wie kann man im Bereich Mikromobilität die Sicherheit weiter fördern und erhöhen?

Darius Scurtu: Das ist eine gute Frage und ich glaube vielleicht als Einstiegswort dazu, ich glaube tatsächlich, dass das Thema Sicherheit gar nicht oder Maßnahmen, die zur Sicherheit beitragen, gar nicht so negativ beleuchtet werden sollte, wie es ja oftmals tut. Für viele Menschen ist es ja so eine Art Zwang, so eine Art regulatorischer Zwang. Aber ich glaube tatsächlich, dass das Thema Sicherheit förderlich sein wird für den ganzen Micromarkt, weil im Endeffekt Städte und auch die Konsumenten Mikromobilität nur akzeptieren werden, wenn es ähnlich sicher ist auch zu anderen Moden. Wenn wir mit Städten sprechen, wenn wir mit Konsumenten sprechen, dann hören wir typischerweise fünf Kategorien raus, an Maßnahmen, die relevant sind. Das ist sicherlich einmal die Infrastruktur. Also, lass uns versuchen, separate Fahrradwege hinzustellen, separat vom Pkw-Verkehr. Wenn das nicht möglich ist, dann zumindest einspurige Fahrradwege, wo man aber dann aber nicht überholen kann als Pkw und wo es vielleicht sogar noch zusätzlich auch Geschwindigkeitslimits gibt. Dann glaube ich gibt es noch einen Punkt, und der wird oftmals nicht immer beleuchtet, Abstellflächen für E-Scooter, generell eigentlich für Micro-Moden. Ich glaube, dass die Akzeptanz vor allem von Fußgängern erhöht werden könnte, wenn es auch separate Abstellflächen, Ladeflächen und so weiter, gäbe. Die zweite Kategorie betrifft das ganze Thema Fahrzeugdesign und ich glaube, da machen, da passiert schon ganz viel. Also wie schaffe ich es zum Beispiel, das Fahrverhalten stabiler zu machen? Na, da gibt es Scooter, die jetzt dreiräderig sind, wie gesagt, oder die einfach breiter gebaut sind. Da passiert schon einiges. Die dritte Kategorie würde ich zusammenfassen mit dem Punkt Regulatorik. Also dazu gehört natürlich auch das Verbot von Alkoholfahrten. Dazu gehört das Verbot von, oder zumindest der Versuch, die Paper-Minute Angebote, die es momentan gibt, vielleicht durch Paper-Distance Angebote zu ersetzen, also lass uns versuchen, den Geschwindigkeitsdruck rauszunehmen. Ich glaube, Brüssel macht das ja auch momentan ganz konkret. Die vierte Kategorie fasse ich zusammen als Hard- und Software Services, also denk jetzt zum Beispiel an Apps, die dich warnen vor Kollisionen oder die dich auch automatisch erinnern an den Wartungsstand, Stichwort auch Batteriefeuer. Und dann glaube ich, ist die fünfte Kategorie, die klingt sehr simpel, ist vermutlich aber die Effektivste, das sind einfach Helme, also Accessoires. Das klingt sehr, sehr vielleicht altmodisch, aber wir sehen schon, und ich glaube Armin, da kennst du dich viel besser aus als ich, dass Helme einfach einen Großteil auch der schweren Unfälle vermeiden können. Genau, aber ich würde auch deine Meinung interessieren. Was denkst du denn, sind so die wichtigsten Maßnahmen?

Armin Kaltenegger: Ich kann hier, glaube ich, ganz gut nachsetzen mit den paar Zahlen, die aus dem Kuratorium stammen. Wir haben uns die Unfälle angeschaut. Und hier geht es nicht darum, Schwarz zu malen oder um etwas zu verhindern, sondern um mit objektivem Zahlenmaterial zu sagen, das ist unsere Ausgangslage, lasst es uns besser machen, weil wir wollen es machen. Und genau das geht es. Machen wir es aber unter guten Bedingungen. Was sind das so die Zahlen? Naja, in den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl der im Spital behandelten Verunfalten bei e-Scooter-Unfällen von 1200 auf 6000 erhöht, also verfünffacht. Das hat natürlich was mit der Exposition zu tun. Was dabei aber besonders aufgefallen ist, 12 Prozent der Verunfalten e-Scooter-Lenkenden waren alkoholisiert. Das ist gibt überall Alkoholunfälle, leider, aber diese Rate ist bei Pkw 4 Prozent und bei Motorrädern gar nur 3 Prozent. Also es ist überproportional hoch. Wie sieht der typische Verunfallte aus? Er ist durchschnittlich 34 Jahre alt, während das beim Fahrrad 46 sind und beim E-Bike sogar 55. Das heißt, da knüpfe ich an, an deine Marktbeobachtungen, es ist eine jüngere Käufer-Lenkerschicht und dadurch auch, wenn etwas passiert, Opferschicht. Die Unfälle sind zu einem Großteil selbst verursachte Unfälle, das heißt Alleinunfälle ohne irgendeinen Partner. Die Dinge sind auch sehr zappelig. Ein Handzeichen mit einem E-Scooter geben, jeder, der es schon gemacht hat, nicht easy, wenn man es das erste Mal macht, ein Abenteuer und wird dann auch nicht viel leichter. Kreuzungsunfälle dominieren hier sehr stark und das Stichwort ist schon gefallen, das ist ein großes Anliegen des Kuratorium, wir plädieren sogar für eine Helmpflicht, man muss hier nicht mit einer Überzahl an Regulatorien eingreifen und tausend Regeln, die sollte es aber geben, denn wir haben positivste Erfahrungen. Bei Kindern auf Fahrrädern wurde ebenfalls eine Helmpflicht eingeführt. Und die schweren Kopfverletzungen gingen um 57 Prozent, also fast um zwei Drittel zurück. Und gerade bei Kindern, das hat uns natürlich wahnsinnig gefreut. Und das würden wir hier auch gerne bei den e-Scootern sehen.

Darius Scurtu: So Armin, jetzt geht es natürlich auch um den Ratgeber e-Scooter. Das ist ja auch ein Ziel unseres Podcasts. Was kannst du zu dem Buch sagen und was können auch die Leser erwarten?

Armin Kaltenegger: Ja, wir haben uns entschlossen, diesen Ratgeber herauszugeben, weil wir eine solche Fülle von Fragen hatten, Mythen, die es zu entkräftigen oder bestätigen galt. Wir haben gesagt, warum geht man nicht ein Buch raus, dann kann das jeder nachlesen, dann haben wir das einmal gut zusammengeschrieben und können es an die Leser und Nutzer bringen. Eine der Frequently Asked Questions war, was gelten denn jetzt für Regeln? Die Frage ist sehr berechtigt, weil die hat sich über Jahre hinweg unser Parlament gestellt und auch das Ministerium, bis sie zu einer Regelung gekommen sind. Man hat dann eine Lösung gewählt, wenn jemand gesagt hat, Scooter sind zwar keine Fahrräder, aber wir tun so, als wären sie Fahrräder, eine gesetzliche Fiktion. Und Scooterfahrer sollen alle Regeln anwenden, die auch Radfahrer anwenden. Was bedeutet das in der Praxis für Leute, die fahren? Naja, ich muss die Radfahranlagen benutzen. Einen Radweg, einen Radfahrstreifen. Ich muss Handzeichen geben. Ich muss das Rechtsfahrgebot einhalten. Ich muss, wenn ich links abbiegen will, mich zur Fahrbahnmitte einordnen. Und dergleichen wie beim Radfahren. Und vielleicht ein bisschen überraschend, gehört auch zu diesen häufig gestellten Fragen. Es gilt auch ein Alkohollimit. Ich kann sogar angehalten werden und muss bei einem Alkomaten beweisen, dass ich nüchtern bin. Nur das Alkohollimit liegt etwas über dem vom Auto, bei 0,8 Promille. Das heißt, wer sich dessen besinnt, was habe ich gelernt als Radfahrer, der hat alle Regeln für sein Scooter-Dasein.

Darius Scurtu: Super, danke dir, Armin. Und was meinst du aus einer Unfallverhütungssicht Was sind so die Maßnahmen, die am meisten bringen?

Armin Kaltenegger: Ja, unser Ziel war ja wir wollen diese Form der Mobilität. Sie soll stattfinden, nur sie soll unter sicheren Bedingungen stattfinden. Allzu viele Regeln soll es auch nicht geben, ein paar wird es aber geben müssen. Das ist immer ein Spagat. Aber wenn man da ein richtiges Portfolio findet, dann passt es. Das ist in so vielen Bereichen schon gut gelungen. Was wäre hier nötig? Es sind ein paar Forderungen, die wir haben. Es ist A, Die Helmpflicht, das Kutter ist unfallgeneigt, es ist ein zappeliges Gerät und gerade Kopfverletzungen liegen sehr nahe bei dieser Art von Fortbewegung. Das zweite, wir müssen ein bisschen am Gerät arbeiten. Viele Geräte haben es schon, also es ist gar kein großer Schritt. Die Geräte sollten einen Blinker haben, weil gerade das Abbiegen und das Anzeichen geben sind die Unfallursachen. Es sollte eine zweite Bremse haben, dass man auch sicher stehen bleiben kann. Ich glaube, das ist ein elementares Bedürfnis jedes Verkehrsteilnehmenden. Und wenn die Geräte dann vielleicht noch eine Glocke hätten oder man sich auf eine Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h einigt, wäre das noch perfekt. Also es fehlt hier nicht viel und Mikromobilität in Form vom E-Scooterfahren fahren wird ein fixer und sicherer Bestandteil unserer Gesamtmobilität. Ja, Darius, ich glaube, wir sind am Ende angelangt.

Darius Scurtu und Armin Kaltenegger: Vielen Dank!

Armin Kaltenegger: Du reist weiter in Europa, erzählst noch vielen anderen von deinen Erkenntnissen und ich darf mich wirklich für den Kommen hierher bedanken.

Darius Scurtu: Vielen Dank, Amin, für die Einladung. Hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich vielleicht aufs nächste Mal.

Armin Kaltenegger: Danke.

Darius Scurtu: Danke sehr.

Catharina Ballan: Sie hörten die beiden Mobilitätsexperten Dr. Armin Kaltenegger und seinen Gast Darius Skurto, der aus Deutschland bei uns zu Gast ist. Das Handbuch zum Thema e-Scooter ist ab sofort im MANS-Verlag erhältlich. Mehr Infos zum Thema dieser KFV Podcast-Episode und zu vielen weiteren wichtigen Sicherheitsthemen finden Sie auf unserer Website kfv.at. Alle KFV Podcast Folgen sind unter kfv.at/podcast abrufbar. Abonnieren Sie Sicher ist sicher auf Spotify, Apple und Google Podcasts sowie auf allen gängigen Podcatcher Plattformen und empfehlen Sie unseren Podcast weiter. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Sicher ist sicher, dem Vordenker*innen Podcasts des KFV.

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