Alkohol am Steuer: Fakten & Mythen unter der Lupe
Shownotes
Rauschende Ballnächte, feuchtfröhliche Faschingsfeste: Das neue Jahr bringt traditionell Partystimmung mit. Alkohol ist aber kein guter Beifahrer – die drastisch steigenden Unfallzahlen alkoholisierter Lenkender liefern den ernüchternden Beweis. Von Alkotests und Promillegrenzen, von Schlangenlinien und Tunnelblicken, von der Euphorie und vom bitteren Ende: Gemeinsam mit dem Verkehrspsychologen Rainer Kastner beleuchten Sabine und Christian wissenswerte Fakten – und entzaubern die populärsten Mythen rund um Alkohol am Steuer: Hilft Kaffee gegen Trunkenheit? Kann man einen Rausch rausschwitzen? Schützt deftiges Essen vor dem schnellen Schwips? In der Wissenschaft liegt die Wahrheit.
Mehr Info unter https://www.kfv.at
Transkript anzeigen
Sabine Kaulich: Prosit, Christian! Ein gutes neues Jahr! Sag, bist du eigentlich ein Dancing-Star?
Christian Kräutler: Sabine, Tanzen ist bei mir nur so eine theoretische Geschichte, in der Praxis bin ich da nicht wirklich so toll. Und meine Frau sagt ja, gemeinsam mit dem John Travolta hätte ich nur das charmante Lächeln.
Sabine Kaulich: Naja, ich finde, das ist aber schon einmal ein guter Anfang.
Christian Kräutler: Danke für die Blumen, Sabine! Vielen, vielen Dank! Apropos, alles Gute zum Jahresbeginn wünsche ich dir!
Sabine Kaulich: Du, vielen Dank, Christian!
Christian Kräutler: Ich habe so gehört, du schwingst ja schon ganz gern nochmal das Tanzbein. Ist das richtig?
Sabine Kaulich: Ja, also eigentlich schon, besonders jetzt in der Ballsaison.
Christian Kräutler: Du apropos Ballsaison, da werden ja die Tanzbeine geschwungen, wie wir gesagt haben, aber es passiert was anderes auch. Es werden ja auch die Sektgläser geschwenkt zu der Zeit. Und wenn wir so die Sektgläser schwenken, dann ist ja das Thema Alkohol am Steuer dann schon auch immer präsent.
Sabine Kaulich: Wobei, trinken und fahren, das sollten wir stets trennen. Warum? Das werden wir heute gemeinsam mit einem erfahrenen Experten klären. Bleiben Sie dran. Ja, Ballsaison und Faschingszeit, da jagt ein Festl das andere, und da kann es schon einmal sehr feuchtfröhlich zugehen. Aber Trinken und Fahren, das passt einfach absolut nicht zusammen. Im schlimmsten Fall ist es eine tödliche Kombination. Warum Alkohol im Blut kein guter Beifahrer ist, das hören wir gleich. Mein Name ist Sabine Kaulich, willkommen beim unserem KFV-Podcast zum Thema Alkohol am Steuer.
Christian Kräutler: Prost ohne Promille! So muss eigentlich das Motto für die Fahrzeuglenkenden heißen und zwar deshalb, weil es ganz einfach sicherer ist. Warum die Wirkung von Alkohol so oft unterschätzt wird und zu welchen typischen Fahrfehlern Alkohol im Blut führt, das wird uns heute Verkehrspsychologe Rainer Kastner erklären. Wir werden heute auch viele Mythen rund um das Thema Alkohol genauer unter die Lupe nehmen. Das sind dann so Fragen wie, kann man einen Rausch vielleicht rausschwitzen? Oder schützt ein deftiger Schweinsbraten vor einem schnellen Schwipps? Und ganz viele andere Fragen werden wir uns stellen und wir werden auch gleichzeitig die Antworten dazu geben. Mein Name ist Christian Kräutler, bleiben Sie dran!
Catharina Ballan: Sicher ist sicher. Der Vordenker*innenpodcast des KFV. Episode 11: Alkohol am Steuer, Fakten und Mythen unter der Lupe.
Christian Kräutler: Alkohol am Steuer ist in Österreich ja immer noch präsent. Und der Trend, den wir da beobachten, liebe Sabine, der ist ja wirklich besorgniserregend. Die Alkoholunfallzahlen, die sind nämlich in den letzten Jahren wieder stark angestiegen und sie haben erst vor kurzem wieder einen Rekordwert erreicht.
Sabine Kaulich: Ja, ich habe mir zur Vorbereitung auf den heutigen Podcast die Unfallstatistik ein bisschen genauer angeschaut. Pro Jahr ereignen sich rund 2300 Unfälle unter Alkoholeinfluss in Österreich. Und dabei werden fast 3000 Menschen verletzt und mehr als 30 Menschen getötet und es werden jährlich mehr.
Christian Kräutler: Du das klingt aber wirklich nach einem sehr, sehr alarmierenden Trend, den wir da sehen. Alkohol im Blut macht ja eigentlich den Fahrer oder die Fahrerin sehr häufig einmal zum Passagier, man hat nicht mehr die Kontrolle über das Fahrzeug und das eben oft auch mit fatalen Folgen. Wie aber jetzt genau diese Substanz Alkohol den Körper und den Geist beeinträchtigt, das erklärt uns heute unser Studiogast, Verkehrspsychologe Rainer Kastner. Herzlich willkommen, lieber Rainer. Schön, dass du bei uns bist.
Rainer Kastner: Hallo. Danke für die Einladung ins KFV-Podcaststudio.
Sabine Kaulich: Rainer, du bist schon seit fast drei Jahrzehnten als Verkehrspsychologe mit dem Thema Alkohol am Steuer vertraut und hast in dieser Zeit, und das hast du mir vorher erzählt, über 10.000 beratende Gespräche mit Betroffenen geführt. Deine Aufgabe ist es da, Menschen, die ihren Führerschein aufgrund eines Alkoholdeliktes eben abgeben mussten, zu beraten, zu betreuen und ihnen Hilfestellungen auf dem Weg zurück zum Führerschein zu bieten. Sag, kannst du uns vielleicht näher erklären, wie der Konsum von Alkohol sich auf das Unfallrisiko von Fahrzeuglenkern eigentlich auswirkt?
Rainer Kastner: Ja du, bereits geringe Mengen von Alkohol im Blut, beeinträchtigen im Prinzip das menschliche Verhalten, das Wahrnehmungsvermögen und das Reaktionsvermögen werden auf alle Fälle beeinflusst, und das bereits schon bei einer Minderalkoholisierung also wirklich bei ganz wenig Promille. Also du, mit der steigenden Alkoholisierung im Blut wird auch die Unfallswahrscheinlichkeit größer bei uns auch. Bei etwa 0,5 Promille im Blut hat man schon das doppelte Unfallrisiko. Bei 0,8 Promille zum Beispiel, da steigt das Unfallrisiko schon auf das Fünffache. Und bei 1,6 Promille oder noch mehr, da ist das Unfallrisiko wirklich schon 25 Mal höher als im nüchternen Zustand. Und das bedeutet auch gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für andere Menschen im Straßenverkehr und auch für eventuelle Mitfahrende.
Sabine Kaulich: Ja und das ist eigentlich die besondere Tragik daran, dass bei Alkoholunfällen ganz viele unschuldige Menschen zum Handkuss kommen.
Christian Kräutler: Sabine, da gibt es leider unzählige Beispiele dafür. Einer dieser folgenschweren Unfälle mit mehreren Todesopfern sogar. Der hat ja damals so in den späten 90ern dazu beigetragen, dass in Österreich, spät, aber dann doch, das Alkohollimit für Kfz-Lenkende von 0,8 auf 0,5 Promille herabgesetzt wurde, also den Wert, der auch heute noch gilt.
Sabine Kaulich: Da möchte ich noch ergänzen, dass diese Regelung, also die 0,5 Promille, die gelten für die Führerschein-Klasse B mit Ausnahme der Probeführerscheinbesitzer, da gilt nämlich 0,1 Promille.
Rainer Kastner: Ja, aber für Radfahrende zum Beispiel wieder, gilt immer noch die 0,8 Promille und aus der Expertensicht ist das eigentlich ein Wahnsinn.
Christian Kräutler: Du, das stimmt aber Rainer, mit 0,8 Promille im Blut bist du nämlich auch am Fahrradsattel in Gefahr, nämlich für dich selbst, aber teilweise natürlich auch für andere.
Sabine Kaulich: Du Rainer, also, viele unserer Podcasthörer und -hörerinnen haben sich sicher schon ganz oft gefragt, was genau bedeutet eigentlich der Promillenwert? Kannst du uns da eine genaue Definition dazu liefern?
Rainer Kastner: Der Promillenwert ist eigentlich ein mathematischer Kennwert, das bedeutet eigentlich, wie viel reiner Alkohol im Blut zu messen ist und das heißt eigentlich, ein Promille ist ein Gramm reiner Alkohol auf einen Liter Blut aufgeteilt.
Sabine Kaulich: Ja, und welche Faktoren haben jetzt eigentlich Einfluss auf die Alkoholisierung?
Rainer Kastner: Ja, die wichtigsten Einflussfaktoren sind auf alle Fälle mal natürlich die konsumierte Menge Alkohol, die ich getrunken habe. Aber auch der Zeitfaktor, da sprechen wir von der Trinkdauer vom Alkohol, aber auch über die Abbaugeschwindigkeit, ist ein wichtiger Faktor und der dritte wichtige Faktor ist das Körpergewicht und das Geschlecht einer Person.
Christian Kräutler: Rainer, du hast jetzt gerade gesagt, dass das Geschlecht der Person ein Einflussfaktor ist. Kannst du das mal ein bisschen näher erklären?
Rainer Kastner: Ja, also es gibt da einige Unterschiede zwischen Mann und Frau. Die wichtigsten sind einmal, dass ja die Körpergröße und das Gewicht unterschiedlich sind und so auch der Muskelgehalt zwischen Mann und Frau unterschiedlich sein kann und auch das Blutvolumen. Und dadurch ergeben sich nachher Unterschiede zwischen Mann und Frau bei den Einflussfaktoren vom Alkohol im Körper.
Christian Kräutler: Und wie gelangt denn überhaupt der Alkohol in unseren Körper? Also wir trinken ihn, ja, das ist noch relativ klar, aber wie ändert denn das, dass er dann tatsächlich im Blut anlangt?
Rainer Kastner: Die Aufnahme des Alkohols beginnt in geringen Mengen bereits über die Mundschleimhaut, aber in so geringen Mengen, dass es eigentlich zu vernachlässigen ist. Größteils gelangt der Alkohol durch den Magen,- und durch die Darmschleimhaut ins Blut. Die Geschwindigkeit dieses Vorgangs hängt aber vom Mageninhalt ab. Der Grad der Alkoholisierung wird davon aber nur sehr, sehr geringfügig beeinflusst.
Sabine Kaulich: Also, wenn ich zum Beispiel ein Glas Sekt trinke, dann kommt es mir vor, ich spüre schon was. Bei vielen ist es aber genau umgekehrt. Rainer, kannst du uns vielleicht ein bisschen näher erklären, wie das jetzt mit der subjektiven und objektiven Alkoholisierung ist?
Rainer Kastner: Ja, das ist ganz leicht. Also die objektive Alkoholisierung ist im Prinzip dieser mathematische Kennwert. Das ist diese Blutalkoholkonzentration, die kann man messen. Das Subjektive, das subjektive Gefühl, da wird es schon interessant und da spielen ganz viele Faktoren eine Rolle, wichtig ist zu sagen, dass unter Alkoholeinfluss die eigene Leistungsfähigkeit einfach komplett unterschätzt wird oder fehlgeschätzt wird und das ist eigentlich eines der gefährlichsten Effekte des Alkohols, vor allem wenn man nachher damit im Straßenverkehr unterwegs ist.
Christian Kräutler: Du, wenn ich dich als Profi mal dahabe, würde mich noch eines interessieren. Und zwar geht es um das Stichwort Alkohol-Abbaukurve und das Thema Restalkohol. Rainer, wann ich jetzt z.B. bei irgendeiner Hochzeit bin oder bei einem großen Fest bin und letztendlich dort im Hotel übernachte, ich habe am Vortag Einiges getrunken und möchte am nächsten Tag wieder heimfahren, bin ich da auf jeden Fall schon fit wieder fürs Auto fahren?
Rainer Kastner: Also das ist ganz ein wichtiges Thema, das Thema Restalkohol und diese Abbaukurve. Und da gibt es sehr viele Mythen, aber da kann man auch gleich einmal gut aufräumen. Der menschliche Körper baut ca. 0,1 Promille pro Stunde ab. Das ist es. Also das heißt, wenn du eine Feier ansprichst, ist man zum Beispiel bei einer Hochzeitsfeier, man hat einmal 1,2 Promille, man weiß es selber vielleicht gar nicht, wenn man keinen Alkomattest mithat, aber man hat mal mehr getrunken, dann braucht es mal mindestens zwölf Stunden, dass dieser Restalkohol wieder abgebaut wird. Und diese Abbaukurve, die können wir eigentlich nicht beeinflussen, aber man braucht circa 12 Stunden nach so einem Anlass, bis man wieder A, nüchtern und B fahrtüchtig ist.
Sabine Kaulich: Das heißt dann also, wenn ich nach so einem Festl am nächsten Morgen mit so einem berüchtigten Kater aufwache, dann kann ich davon ausgehen, dass ich da einfach einen Restalkohol im Blut habe. Rainer, kommen wir jetzt zu den konkreten Auswirkungen von Alkohol auf den menschlichen Körper. Wie setzt der Alkohol, Körper und Geist eigentlich schachmatt?
Rainer Kastner: Ja, also da ist mir ganz wichtig, dass Alkohol hat mal zunächst starke Auswirkungen auf die Persönlichkeit. Das heißt, der Alkohol hat eine Verhaltensveränderung eigentlich immer mit sich und es verändert eigentlich die Grundstimmung bei uns im menschlichen Körper. Das kann einerseits einmal sein, dass er enthemmend wirkt, dass man euphorisch ist. Das heißt, wenn man schon mal gut aufgelegt ist, kann es nachher sein, dass man nachher noch mutiger wird, noch unbekümmerter wird und das ist halt für den Straßenverkehr nachher ein ganz teuflischer Mix, der gefährlich werden kann. Die Gefühle verändern sich ganz einfach und man kommt sich auch viel, viel stärker vor. Und das ist auch für den Straßenverkehr nachher wieder ganz gefährlich, weil einfach das Verantwortungsbewusstsein das lässt ein bisschen nach, aber die Risikobereitschaft, die steigt. Und die Selbstkontrolle, das Verhalten im Straßenverkehr wird dahingehend auf alle Fälle negativ beeinflusst.
Sabine Kaulich: Das heißt, wenn man Alkohol getrunken hat, dann geht einfach die realistische Selbsteinschätzung verloren?
Rainer Kastner: Genau ja, und das ist so, dass hier auch die große Gefahr liegt, wenn man also alkoholisiert aktiv im Straßenverkehr teilnimmt.
Christian Kräutler: Du, Rainer, man sagt ja auch so ein bisschen, wenn einer betrunken ist, dann übernimmt der Alkohol das Steuer, also ich verliere quasi irgendwie die Herrschaft über das Fahrzeug. Du, jetzt gibt es da ein paar interessante Fakten aus internationalen Studien, die du uns mitgebracht hast. Kannst du uns kurz was darüber erzählen, bitte?
Rainer Kastner: Ja, und da gibt es auch ganz interessante KFV-Studien übrigens dazu. Alkohol ist grundsätzlich mal sedierend. Sedierend heißt eigentlich beruhigend, aber auch diese Beruhigung, die wirkt auf unseren menschlichen Körper ein. Das heißt, die Müdigkeit wird dadurch stark verstärkt und daraus ergeben sich auch physiologisch, sprich körperliche Auswirkungen fürs Autofahren. Das ist einerseits dieser Tunnelblick, den man auch immer wieder hört, also dieses seitliche, dieses periphere Wahrnehmen und Sehen, das geht ganz einfach verloren und das Auge hat sehr viel auch mit dem Straßenverkehr zu tun, wir nehmen ja die größte Information über das Auge ein, und diese Sehleistung, die geht einfach verloren, auch das Hell-Dunkel-Sehen. Das Blenden wird mehr, man sieht öfters doppelt und auch die Rotlichtschwäche, die kommt nachher zum Tage und auch diese Blendungsempfindlichkeit, die ist ganz stark gegeben.
Christian Kräutler: Wow Rainer, so viele Sachen werden durch den Alkohol negativ beeinflusst?
Rainer Kastner: Ja Christian, da gibt es viele andere Sachen auch noch, die uns beeinflussen, wie zum Beispiel, dass die Denkleistung abnimmt, die Merkfähigkeit nimmt ab. Es sind ganz einfach Aufmerksamkeitsschwankungen beim Autofahren da. Was auch noch ein Faktum ist, ist, dass man sich nicht mehr so gerne an Regeln hält, dass einfach nachher Verkehrsvorschriften missachtet werden. Und was auch ganz, ganz auffällig ist, ist, dass einfach die Bewegungssteuerung hier abnimmt, das Lenken, das Kuppeln, das Einlenken in eine Kurve oder bei einer Kreuzung, das funktioniert nicht mehr so.
Sabine Kaulich: Und Rainer, was sind denn typische alkoholbedingte Fahrfehler?
Rainer Kastner: Ja, also auf diese Auswirkungen, auf die wir gerade eingegangen sind, da haben wir noch eben das Thema, dass dadurch nachher die Tempowahl, also nicht mehr so richtig angepasst ist. Der Sicherheitsabstand, der funktioniert nicht mehr so, es wird oft zu wenig Abstand genommen, Überholmanöver passieren oft sehr unüberlegt oder auch riskant. Die Spurgenauigkeit, die geht natürlich auch verloren. Man hört auch immer wieder dieses Schlagwort, dieses Schlangenlinien fahren, wo man auch als anderer Straßenverkehrsteilnehmer nicht mehr hier bereits noch eine deutliche Kenntnis hat, dass zum Beispiel der Vordermann hier beeinträchtigt fährt. Unbeabsichtigte Spurwechsel, das kann auch sein, das Touchieren anderer Fahrzeuge, parkenden Fahrzeuge, entgegenkommenden Fahrzeuge. Kurvenradien, werden nicht mehr so eingehalten werden und was auch leider oft vorkommt, ist, dass bei so einer ??? die Pedale abrutschen, weil diese körperliche Beeinträchtigung sehr, sehr stark schon ist.
Christian Kräutler: Boah Rainer man merkt, du kennst dich aus, es ist ja eine unglaublich lange Liste so an unerwünschten Nebenwirkungen, die beim Fahren das Ding einfach relativ unsicher machen.
Sabine Kaulich: Und diesen typischen Fahrfehlern, den du gerade aufgezählt hast, Rainer, da folgen ja oft leider auch typische Unfälle, oder?
Rainer Kastner: Ja, also da sehe ich bei mir und meiner Arbeit, Nummer eins ist auf alle Fälle das Abkommen von der Fahrbahn und da sprechen wir noch gar nicht, dass man da jetzt gegen einen Baum fährt oder gegen eine Hausmauer oder gegen eine Person fährt, sondern wirklich dieser sogenannte Alleinunfall. Aber es können auch sehr oft noch diese Frontal- oder Streifkollisionen stattfinden im Kreuzungsbereich oder beim Abbiegen nachher in eine Seitengasse. Es passieren auch immer wieder Auffahrunfälle oder Kollisionen mit stehenden Fahrzeugen oder mit anderen Hindernissen. Also man sieht sehr oft auch Kreisverkehre, die werden nicht mehr richtig wahrgenommen oder richtig umfahren oder auch Kollisionen mit ungeschützten Verkehrsteilnehmern und das ist natürlich wieder ganz, ganz gefährlich.
Christian Kräutler: Ja und das sind also durchaus Dinge, die die Polizei natürlich auch weiß und damit es eben nicht zu diesen katastrophalen Unfällen kommt, Rainer, wie du jetzt gerade gesagt hast über diese Fehler, wird auf Österreichs Straßen halt auch oft, wirklich oft nämlich kontrolliert. Kommen wir jetzt zum Thema Alkoholtest. Rainer, wie wird von den Polizeibeamten, die mich so auf dem Heimweg von der Faschingsparty zum Beispiel aufhalten, wie wird da Alkoholisierung festgestellt? Wann genau kommt also so ein Alkoholvortestgerät zum Einsatz?
Rainer Kastner: Ja, also in Österreich verwendet die Exekutive zur Überprüfung einer Alkoholisierung im Straßenverkehr in der Regel ein Vortestgerät. Da kann man mehrmals versuchen, zumindest braucht man zwei positive oder messbare Ergebnisse, wo man nachher die sogenannte Atemluftalkoholkonzentration messen kann. Wenn hier sich nachher ein Verdacht verhärtet, sprich, dass wirklich eine Alkoholisierung erkennbar ist, dann geht die Exekutive über zu einem richtigen Alkomaten. Das ist also vom Prozedere ganz ähnlich zu sehen und hier wird nachher die sogenannte Blutalkoholkonzentration gemessen. Hier kann man errechnen aus der Atemluftalkoholkonzentration mal zwei und dann kommt man einfach zu dem typischen Promillewert und so kann man bei uns ganz locker und sehr genau schon Alkoholisierung im Blut messen auch. Was ein wichtiges Thema da ist, ist diese Verweigerung des Alkoholtests, denn das würde bedeuten, dass eine Person nachher eingestuft wird, wie ein Autofahrer oder eine Autofahrerin mit 1,6 Promille mit allen rechtlichen Konsequenzen.
Christian Kräutler: Das ist also keine gute Idee, das Verweigern.
Rainer Kastner: Verweigern ist immer die schlechteste Möglichkeit, weil keiner von uns hat einen Alkomaten eingebaut und es kann auch weniger sein. Ja, das ist wie im Sport, sagen wir mal, wer eine Dopingkontrolle verweigert, wird auch am härtesten bestraft.
Sabine Kaulich: Apropos rechtliche Konsequenzen. Wie schauen denn eigentlich die rechtlichen Sanktionen aus, wenn man mit Alkohol am Steuer erwischt?
Rainer Kastner: Ja, du, ab die 0,5 Promille gibt es eine Mindestgeldstrafe von 300 Euro und ein Vormerkdelikt. Ab 0,8 Promille da gibt es nachher einen mindestens einmonatigen Entzug des Führerscheins und eine Geldstrafe von mindestens 800 Euro und ein Verkehrscoaching noch dazu. Ab 1,2 Promille gibt es nachher einen mindestens viermonatigen Entzug der Lenkberechtigung, Mindeststrafe sind da 1200 Euro und dann hat man bereits eine Nachschulung. Und ab 1,6 Promille, oder auch bei Alkomattestverweigerung das wird hier gleich gesehen, haben wir nachher einen mindestens sechsmonatigen Entzug der Lenkberechtigung eine Geldstrafe von mindestens 1600 Euro, sowie eine Nachschulung und eine verkehrspsychologische Untersuchung.
Christian Kräutler: Rainer du hast uns eine schöne Übersicht über die tatsächlichen Strafen gezeigt. Ich glaube, eine der Höchststrafen, die man natürlich auch haben kann, ist, wenn man zum Beispiel das Fahrzeug für die Ausübung des Jobs braucht und dann keinen Führerschein mehr hat. Das bedeutet für viele dann nämlich auch der Verlust des Jobs und das ist glaube ich tatsächlich die Höchststrafe.
Sabine Kaulich: Es gibt aber leider auch immer Fahrzeuglenker, wo eben diese bisher gültigen Sanktionen, eben wie die Geldstrafe, der Führerscheinentzug, die Nachschulung usw., eben keine Wirkung zeigen, also das sind Personen, die wiederholt alkoholauffällig werden. Ja und für diese unbelehrbare Minderheit an Lenkern, da gibt es in vielen europäischen Ländern eben nur eine Möglichkeit, den Führerschein wiederzuerlangen, nämlich wenn sie sich eine sogenannte Alkoholwegfahrsperre oder auch Alkolock genannt einbauen lassen ins Fahrzeug. Ist so ein Gerät jetzt im Fahrzeug eingebaut, kann man dieses, wenn die abgegebene Atemprobe positiv ist, einfach nicht mehr starten. Und ich finde, das ist einfach eine ganz wunderbare Technik zum Schutz der Allgemeinheit. Und auch in Österreich hat es dazu einen Pilotversuch gegeben. Das heißt, da konnten die alkoholauffälligen Lenker wesentlich früher den Führerschein wiedererlangen, wenn sie eben sich so ein Gerät einbauen ließen und an einem begleiteten Programm teilgenommen haben. Dieser Pilotversuch ist mit 2022 beendet worden, also dieses Angebot steht derzeit nicht zur Verfügung. Wir vom KFV sind aber von dieser Technik sehr überzeugt und werden da einfach aktiv dranbleiben, damit es wieder zu einer Ausrollung kommt.
Christian Kräutler: Genau. Du Rainer, habe ich aber noch eine Frage. Wenn ich beim Autolenken also weniger als 0,5 Promille habe, bin ich dann eigentlich immer auf der sicheren Seite?
Rainer Kastner: Ja, stimmt. Das Thema Minderalkoholisierung ist ganz ein heikles Thema, denn die gesetzlichen Regelungen heißen zwar bei 0,5 Promille, aber es kann durchaus sein, dass bei weniger Alkoholisierung im Blut und beim Autofahren im schlimmsten Fall, wenn es zum Beispiel auch um Verletzte geht oder um Getötete im Straßenverkehr geht, dass es hier zu einem Versicherungsregress kommen kann auch. Das heißt eigentlich, auch bereits eine mindere Alkoholisierung im Straßenverkehr kann ganz, ganz fatale Folgen haben.
Christian Kräutler: Das bedeutet aber auch dieses Herantrinken an eine bestimmte Promillegrenze, das ist eigentlich eine gefährliche Geschichte, man lasst das lieber.
Rainer Kastner: Ja, also dieses Herantrinken an das Limit ist keine gute Idee. Und man merkt ja, und das belegen auch Studien, dass bereits bei einer Minderalkoholisierung von 0,3 Promille die ersten körperlichen Beeinträchtigungen feststellbar sind.
Christian Kräutler: Also, wenn man sich denkt, zwei Bier gehen sich schon aus, dann kann das eigentlich oft einmal ein folgenschwerer Trugschluss sein.
Rainer Kastner: Ja, wir haben heute ja schon besprochen, dass der Alkoholisierungsgrad eben von einigen Faktoren abhängt und hier können zwei Bier, eventuell zwei Bier, zu viel sein. Drum muss man hier ganz deutlich sagen, man kann durchaus feiern, man kann genießen, wichtig ist aber, die Heimfahrt vorab zu organisieren, eben dieses Trennen zwischen Alkohol trinken und Autofahren. Denn wie wir heute auch schon gesprochen haben, im alkoholisierten Zustand ist das rationale Denken, das richtige Entscheiden oft nicht mehr möglich und man setzt womöglich spontane Reaktionen, setzt sich noch ans Steuer und fährt doch alkoholisiert noch ins Verderben.
Sabine Kaulich: Und reißt dann vielleicht sogar noch unschuldige Mitmenschen mit.
Rainer Kastner: Ja, also das ist dieses hohe Selbst- und Fremdrisiko. Das ist einfach gegeben. Man kann es eigentlich nicht mehr wirklich nachher kalkulieren. Und man setzt eigentlich die eigene Gesundheit und das eigene Leben und Leib anderer auch auf das Spiel. Und das ist eigentlich ganz, ganz gefährlich. Und das Leben sollte uns eigentlich viel, viel kostbarer sein. Unser gemeinsamer Appell an alle Hörerinnen und Hörer lautet also: Lassen Sie vor Trinkanlässen Ihr Auto zu Hause stehen und organisieren Sie Ihre Fahrt schon im Voraus. Man kann mit Öffis oder mit dem Taxi oder auch auf Fahrgemeinschaften zurückgreifen.
Sabine Kaulich: So meine Herren, jetzt muss ich leider ein bisschen auf die Uhr schauen. Kommen wir jetzt zum Schluss zu den Mythen und Legenden rund um den Alkohol.
Catharina Ballan: In der Wissenschaft liegt die Wahrheit. Alkoholmythen im Faktencheck. Alkoholmythos Nummer eins: Bier auf Wein, das lass sein. Wein auf Bier, das rate ich dir.
Rainer Kastner: Ja, also diese historische Binsenweisheit hat eigentlich nichts mit der Realität zu tun und auch mit der Verträglichkeit verschiedener alkoholischen Getränke. Es ist im Prinzip egal, ob ich zuerst Bier oder Wein trinke. Das Bier auf Wein, das lasse sein. Das hat eher soziale Wertigkeit, denn früher war das Bier eben das Getränk der armen Leute und der Wein der edlere Tropfen, war so sozial höhergestellt. Das heißt, das Ganze ist eher ein Symbol für einen sozialen Aufstieg oder für einen sozialen Abstieg und spielt keine Rolle, in welcher Reihenfolge man diesen Alkohol trinkt, denn was zählt, das ist A, die Menge und man spricht auch immer wieder davon, dass die Dosis macht das Gift und die Mixtur, in welcher Reihenfolge, das ist komplett egal.
Catharina Ballan: Alkoholmythos Nummer zwei: Reichhaltiges Essen schützt vor Trunkenheit. Christian Kräutler: [00: 21:58] Das Fett eines üppigen Schweinsbratens bedeckt zwar Magen- und Darmschleimhaut und verlangsamt somit den Übergang vom Alkohol ins Blut, so wie du Rainer auch vorher beschrieben hast. Die Wirkung des Alkohols setzt aber sicher ein, und zwar halt ein bisschen später. Das heißt somit auf den Punkt gebracht, eine deftige Mahlzeit verhindert nicht, dass der Alkohol ins Blut gelangt, sie verzögert diesen Vorgang nur lediglich
Catharina Ballan: Alkoholmythos Nummer drei: Alkohol lässt sich rausschwitzen.
Christian Kräutler: Eine der Fragen ist auch immer wieder, lässt sich ein Schwips beim Sport oder eben z.B. in der Sauna rausschwitzen? Leider nein, kann man da nur sagen. Die Leber übernimmt mehr als 90 Prozent des Alkoholabbaus. Die Haut gibt aber maximal nur 5 Prozent ab. Auch andere Brachialmethoden wie z.B. eine kalte Dusche, die ändern nichts am langsamen Alkoholabbau. Auch dann nicht, wenn man sich vielleicht danach etwas fitter fühlt, wenn man eben zum Beispiel aus der Dusche kommt.
Catharina Ballan: Alkoholmythos Nummer vier: Schlafen macht schneller nüchtern.
Rainer Kastner: Nein, auch im Schlaf baut der Körper den Alkohol im Blut nicht schneller ab. Also es bleibt bei dieser stündlichen Abbaurate von diesen 0,1 Promille, was wichtig ist, wenn ein Restalkohol womöglich noch vorhanden ist am nächsten Tag. Auch hier ist nachher das Unfallsrisiko durchaus höher.
Catharina Ballan: Alkoholmythos Nummer fünf: Kaffee und Energydrinks machen nüchtern.
Sabine Kaulich: Dieser Mythos ist ein Irrglaube. Beim Abbau des Alkohols im Körper da hilft kein Espresso oder kein Energydrink, auch wenn man sich dank der aufputschenden Wirkung des Koffeins kurzfristig frischer und fitter fühlt, man ist de facto nicht nüchterner. Also die aufputschende Wirkung dieser Getränke lässt außerdem ziemlich schnell nach und die Erschöpfung danach ist meist umso größer.
Christian Kräutler: Das waren jetzt fünf Alkoholmythen im Faktencheck. Und wie wir gesehen haben, sind diese Mythen mehr Wunsch als Wirklichkeit. Sie stimmen ganz einfach nicht. Es ist eigentlich recht einfach und bleibt dabei: Pro Stunde baut der Körper etwa 0,1 Promille Alkohol ab, unabhängig von allen gut gemeinten Hausmitteln und Tipps. Kannst du das so unterschreiben, Rainer?
Rainer Kastner: Ja, lieber Christian, voll und ganz. Und deshalb ganz wichtig die Aussage, Trinken und Fahren sollte man einfach unbedingt trennen. Und mein Appell an unser Publikum, feiern Sie fröhlich, fahren Sie nüchtern, in Kenntnis der Fakten, aber aus Liebe zum Leben.
Sabine Kaulich: Vielen Dank, lieber Rainer, für diese wunderbaren Schlussworte, deine interessanten Informationen und deinen Besuch bei uns hier im Studio. Unser Podcast-Publikum hat heute sehr viel kompaktes Wissen zum Thema Alkohol am Steuer mit auf den Weg ins neue Jahr bekommen. Die guten Vorsätze sollten also um Einiges leichter fallen.
Rainer Kastner: Ja, ich danke auch und es war mir eine Freude, bei euch hier mal Gast sein zu dürfen.
Christian Kräutler: Auch unserem Podcast-Publikum ein herzliches Dankeschön fürs Dabeisein. Bleiben Sie gesund, bleiben Sie interessiert, bleiben Sie dran. Don't drink and drive!
Sabine Kaulich: Ja, ein gutes neues Jahr allseits und bis zum nächsten Mal bei Sicher ist sicher. Da geht's dann um allerlei Neues und Wissenswertes aus der Welt des Verkehrsrechts.
Catharina Ballan: Sie hörten Sabine Kaulich und Christian Kräutler, zwei erfahrene Präventionsfachleute des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Zu Gast im Podcaststudio war heute Verkehrspsychologe Rainer Kastner. Mehr Infos zum Thema dieser KFV-Podcast-Episode und zu vielen weiteren wichtigen Sicherheitsthemen finden Sie auf unserer Website kfv.at. Abonnieren Sie Sicher ist sicher auf Spotify, Apple und Google Podcasts sowie auf allen gängigen Podcatcherplattformen und empfehlen Sie unseren Podcast weiter. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Sicher ist sicher, dem Vordenker*innenpodcast des KFV. Servus, Hallo und Gruezi nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz. Du bist ein inspirierter und interessierter junger Mensch im Alter von 15 bis 19 Jahren? Du hast eine coole Idee zum Thema Kindersicherheit? Du möchtest zukunftsweisend die Sicherheit für Kinder auf den Straßen, im Haushalt oder in der Freizeit steigern? Dann bist du genau richtig bei unserem Dreiländerwettbewerb Safety for Kids. Schulen machen Sicherheit, Sicherheit macht Schule. Bis 20. April 2024 kannst du mit deiner Klasse und Freundinnen deine geniale Idee auf kindersicher.kfv.at einreichen. Dem Siegerprojekt winken 3000 Euro. Näheres erfährst du unter kindersicher.kfv.at. Wir freuen uns auf deine Ideen, denn frischen Wind in Sachen Sicherheit brauchen wir.
Neuer Kommentar